Ein Fan aus Lenggries ist extra angereist

- Schuhplatteln als Warte-Unterhaltung hat man an der Gepäckausgabe des Flughafens in Rio de Janeiro wohl auch noch nicht oft gesehen: Der "Brandner Kaspar" und sein Ensemble, insgesamt 50 Personen, darunter die Jungen Riederinger Musikanten, sind in Brasilien angekommen. Kaum da, hat man sich schon brasilianischen Verhältnissen angepasst; lange Wartezeiten können die gute Stimmung nicht beeinträchtigen.

Ebenso wenig der strömende Regen, der den Zuckerhut wie den überdimensionalen Jesus in Nebel taucht. Von heute bis Sonntag findet in Rio das Gastspiel des Münchner Volkstheaters statt. Für Intendant Christian Stückl, der hier gestern seinen 45. Geburtstag feierte, ein großes Ereignis.

Was war Ihr erster Gedanke, als der Vorschlag fürs Rio-Gastspiel kam?

Stückl: Zu dem Zeitpunkt haben wir uns um ein Gastspiel für den "Räuber Kneißl" in Kiew bemüht. Und weil sich das schon innerhalb Europas schwierig gestaltet, habe ich bei Brasilien fast einen Lachkrampf bekommen. Als ich dem Ensemble angedeutet habe, dass es klappen könnte, hat es keiner geglaubt.

Unter welchen Voraussetzungen konnte es dann wirklich klappen?

Stückl: Weil uns das Hotel zur Verfügung gestellt wird und keine Kosten für die Verpflegung anfallen, muss eigentlich keiner Zugeständnisse machen. Es können allerdings keine Spesen gezahlt werden, und die Gastschauspieler müssen auf ihre Gage verzichten. Die Flüge hat das Theater übernommen, dafür konnten wir schlecht städtische Mittel verwenden. Aber wir hatten etwas Sponsorengelder übrig.

Weshalb wurde in Rio ein neues Bühnenbild gebaut?

Stückl: Wir hätten unseres nur verschiffen können, das hätte bedeutet, dass es von Anfang Oktober bis Dezember unterwegs und keine Vorstellung in München möglich gewesen wäre. Auch war die Gefahr zu groß, dass es kaputt geht. Das Theater hier ist so klein wie eine Puppenküche, da hätte unser Bühnenbild nicht reingepasst. Das neue ist unbeabsichtigt ein bisschen kitschiger ausgefallen. Und wir sind zuversichtlich, dass es fertig wird.

Werden die Brasilianer die Handlung verstehen?

Stückl: Es gibt Übertitel, und mit einer Übersetzerin halte ich eine Kurzeinführung.

Nach solchen Überraschungen wie der Verlust eines Riederingers beim Umsteigen in Lissabon, der gottlob wieder aufgetaucht ist: Gibt es jetzt noch Unwägbarkeiten?

Stückl: Wir wissen nicht, wie die Übersetzung geworden ist. Andererseits: Niemand kennt hier die Münchner Aufführung.

Wissen Sie, ob unter den Zuschauern auch Deutsche sind?

Stückl: Wir haben gar keinen Überblick, wer kommt. Wir wissen nur, dass ein "Brandner"-Fan aus Lenggries extra angereist ist.

Und Ihre Eltern aus Oberammergau ... Mit welchen persönlichen Erwartungen sind Sie hierher gekommen?

Stückl: Wir werden natürlich nicht die brasilianische Theaterlandschaft verändern. Aber dass die Truppe wegfährt und zusammen so etwas bestehen kann, ist doch das Schönste dabei.

Ihre bisher kurioseste Erfahrung hier?

Stückl: Also der Verlust unseres Riederingers hat den fehlenden Bus, der uns in München zum Flughafen bringen sollte, noch in den Schatten gestellt.

Das Gespräch führte Christine Diller

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