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Leona Lewis

Die Kritik

Leona Lewis in der Philharmonie

München - Superstars, die vom Fernsehen in Castingshows bestimmt werden, haben heute in etwa die Halbwertzeit einer Packung H-Milch.

Da ist Leona Lewis schon als Sensation zu bezeichnen: Die 28-Jährige gewann 2006 die britische Castingshow „The X-Factor“ – und ist immer noch präsent.

Beim Abschluss ihrer ersten Deutschland-Tour füllt sie mühelos die Münchner Philharmonie und begeistert ein erstaunlich heterogenes Publikum. Ihre Hits dosiert sie ziemlich geschickt und erstaunt mit einer Stimme, die kräftig ist, nuanciert und doch eine Wärme und Tiefe aufweist, die man nicht oft hört. Schade ist nur, dass sie diese Stimme und ihr unverkennbares musikalisches Talent einem leicht sterilen, perfekt durchgeplanten Showkonzept unterordnet und dabei nicht selten so wirkt, als müsse sie wieder vor der Jury einer Castingshow bestehen.

Dort gewinnt man nur, wenn man genau macht, was andere von einem verlangen, und daran scheint sich bei Lewis auch im Jahr sieben nach „X-Factor“ nichts geändert zu haben. Es entsteht der Eindruck, dass ihr etwas übergestülpt wird, wenn sie auf Monsterpumps und mit einstudierten Yoga-Tanzschritten erkennbar angestrengt die Soul-Diva gibt. Wenn Lewis aber das starre Korsett durchbricht und beispielsweise in der Zugabe wie entfesselt auf ein Schlagzeug eindrischt und zum Rhythmus tanzt, einfach so, ohne einstudierte Choreographie, erlebt man plötzlich eine sympathische, mitreißende Sängerin.

Immer noch gibt es da zu viel beliebiges Popkonfekt im Programm, das man ihr nach Hit-Tauglichkeit ausgesucht hat. Da helfen die vier Streicher auf der Bühne auch nicht weiter, die gelegentlich bemerkenswerte Arrangements bieten, aber oft dazu verdonnert werden, das zu spielen, was John Lennon selig einst „Muzak“ nannte, also Klangsoße.

Aber der mitreißende zweite Teil und die Zugaben wecken die Hoffnung, dass alles gut wird bei Leona Lewis und sie ihren eigenen Weg geht. Schön wäre es, die Stimme würde man gerne länger hören.

Zoran Gojic

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