Man lernt, ihrem Instinkt zu vertrauen

- Mit "Vier Hochzeiten und ein Todesfall" erlebte der Brite Mike Newell (62) nach über zwei Jahrzehnten, in denen er im britischen Fernsehen gearbeitet hatte, 1994 einen Welterfolg. Jetzt kommt sein neuer Film ins Kino: "Mona Lisas Lächeln" _ mit Julia Roberts als fortschrittliche Kunstlehrerin eines US-Colleges 1953.

<P>Wie war es, mit Julia Roberts zu arbeiten?<BR>Newell: Sie ist sehr klug und sich sehr bewusst, was das Publikum von ihr erwartet. Sie ist sehr interaktiv in der Vorbereitung, will viel wissen. Dann zieht sie sich zurück. Wenn sie wiederkommt, ist die Figur da. Was sie in der Zeit genau macht, weiß ich selber nicht. Und wenn man dann als Regisseur versucht, etwas zu verändern, merkt man schnell, dass das Resultat nicht so gut wird, wie ihre ursprüngliche Entscheidung. Man lernt, ihrem Instinkt und ihrer Arbeit zu vertrauen. Was man also als Regisseur tut, ist, diese Entscheidungen mit dem Rest zu harmonisieren. So ist das mit ihr: Sie weiß, wer und wie sie ist. Und für ihr Publikum ist der Film gemacht.</P><P>Was hat Sie als Briten an einer US-Highschool der 50er-Jahre interessiert?<BR>Newell: Ich erinnere mich an die 50er sehr gut. Ich war etwa zehn Jahre alt. Ich dachte während der Arbeit oft an meine Mutter, für die das damals eine harte Zeit war. Denn sie war exakt das, was diese Mädchen auch sind - eine Schönheit. Aber sie saß in der Falle: mit drei kleinen Kindern in einem kleinen Haus in einer englischen Provinzstadt. Damals wurde sehr viel verschwiegen.</P><P>Also eigentlich erzählt hier ein Sohn die Geschichte seiner Mutter?<BR>Newell: Ein bisschen. Zur Zeit gibt es Streit mit der Gruppe der "Wellesley Old Girls". Sie sagen: "Wir waren ganz anders, nicht so, wie uns der Film zeigt." Sie wollen es einfach nicht wahr haben. Aber alles war sehr, sehr konservativ. Viele Mädchen haben geheiratet, bevor sie mit der Schule fertig waren. Viele verließen wegen der Heirat die Schule vor dem Abschluss.</P><P>Man könnte heute sagen: Wir leben in ganz anderen Zeiten . . .<BR>Newell: Denken Sie wirklich? Das ist die Schlüsselfrage. Es gibt nämlich Ähnlichkeiten: Die 50er waren auch eine Zeit rigider Kontrolle. Die Welt sollte unbedingt ein ganz bestimmtes Aussehen haben. Die Oberfläche war absolut alles. Und die kleinen Probleme bekommen wir in den Griff. Genau dies verbindet uns mit dieser Zeit.</P><P>Wenn sich das alles derart ähnelt - warum wollten Sie die Geschichte nicht als eine zeitgenössische erzählen?<BR>Newell: Es ist ein Film, darum handelt es sich unvermeidlich um einen romantisierenden Blick auf die Welt für ein breites Publikum, das einen Julia-Roberts-Film erwartet. Und was es dann bekommt, ist ein Film über eine moderne Frau, die eine ganze Menge Probleme hat, weil sich die Dinge nicht so entwickeln, wie sie sich entwickeln sollten. Darin will man Julia Roberts nicht unbedingt sehen. Aber durch sie erreicht man ein ganz anderes Publikum.</P><P>Das Gespräch führte Rüdiger Suchsland<BR></P>

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