Leser und Sammler

- So lang wie die alte, ursprüngliche Schrannenhalle ist die jetzt wieder errichtete ja nicht. Und so lang, um darin einen Marathon abzuhalten, schon gar nicht. Man müsste schon viele ermüdenden Runden in ihr drehen. Der Marathon, den Johan de Blank aber am Montag veranstalten wird, lässt sich problemlos dort unterbringen. Der Literaturagent, Veranstalter auch des Nachwuchsfestivals "Wortspiele", ist mit dem Programm der Sparte Literatur in der neuen Münchner Schranne betraut und will mit seinem Lesetag, der von 11 Uhr morgens bis mitternachts dauert, einen deutlich sicht- und hörbaren Auftakt für das künftige Literaturprogramm gestalten.

Wobei sein "Marathon im Raum und in der Zeit" auch ein wenig einem Hindernislauf gleicht: Nicht nur, dass eine große und eine kleine Bühne sowie sieben quer über die Halle verteilte Verkaufsstände bespielt werden müssen. Johan de Blank hatte in der noch andauernden Ferienzeit nicht wenig Mühe, all die Persönlichkeiten der Münchner Kulturprominenz zusammenzutrommeln, die eine Passage aus ihrem Lieblingsbuch vortragen sollen.

Die Leiterin der Monacensia, Elisabeth Tworek, widmet sich als ausgewiesene Horváth-Spezialistin natürlich einem seiner Texte. Und Florian Hufnagl, Leiter der Neuen Sammlung (PDM), trägt mit Bruce Chatwins "Utz" einen Teil einer "verschrobenen Sammlergeschichte" vor, so de Blank. Und dazwischen fügen sich "im Reißverschlussverfahren" die 20 Nachwuchsautoren ein, die von einer Jury - Edda Ziegler und Dirk van Gehlen von den Veranstaltungspartnern "Manuskriptum" und "jetzt.de" - ausgewählt wurden. "Wir dachten, die Hälfte der Einsendungen könnte man gleich vergessen. Aber sie hatten ein erstaunlich hohes Niveau. Wir hätten gut 25 Texte auswählen können", erzählt de Blank.

"Ein Publikum kreieren."

Johan de Blank

Nach dem Dauerlauf durch die Halle soll Literatur immer dienstags eine feste Gratiseinrichtung dort werden. Zweimal im Monat gibt es in Kooperation mit den Verlagen einen Sachbuchabend, etwa zu Hildegard Knef, umrahmt von Chansons, und zum Thema "Römisches Gastmahl" werde entsprechend gekocht. Ein besonderes Schmankerl ist einmal im Monat der von Schriftsteller Gerd Holzheimer und Schauspieler Peter Weiß gestaltete Abend der bayerischen Literatur mit dem von Feuchtwanger entliehenen Titel "Bauen, brauen, sauen". Alles in allem also starke Konkurrenz fürs Literaturhaus? "Habe ich nicht vor und mache ich auch faktisch nicht", sagt de Blank. Sachbücher würden doch sehr vereinzelt im Literaturhaus vorgestellt. Und es gelte hier, ein Laufpublikum zu unterhalten. Wobei de Blank ganz zuversichtlich ist, dass sich auch ein festes Publikum kreieren lassen wird.

Lesemarathon: Montag ab 11 Uhr; Literaturprogramm: immer dienstags, 20.30 Uhr; Karten: 089/518 18 18.

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