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Veranstaltung im Künstlerhaus

Stofferl Well: Mozart war ein quietschfideler Urbayer

München - Im Interview spricht Christoph Well über seinen Abend mit Mozart, dessen Bäsle und über den Liebes-Geheimcode der beiden.

Christoph „Stofferl“ Well spricht gerne über Wolfgang Amadeus Mozart. Und der 56-Jährige hat eine Menge über den Komponisten zu erzählen. Die Begeisterung für den Meister aus Salzburg ist echt. Multi-Instrumentalist Well huldigt seinem Idol mit einer Lesung der berühmt-berüchtigten Bäsle-Briefe, die Mozart an seine Cousine Maria Anna Thekla schrieb. Dazu gibt es natürlich Musik von Mozart. Am Donnerstagabend (24. November) tritt Christoph Well mit dem Bäsle-Quartett im Münchner Künstlerhaus auf.

Wie kommt man auf die Idee, die Lesung von Briefen mit den Flötenquartetten von Mozart zu verbinden?

Christoph Well: Das ist ein alter dramaturgischer Kniff. Text alleine ist langweilig, finde ich. Und das Bäsle-Quartett spielt wirklich wunderschön. Die Flötenquartette sind ja etwa zur gleichen Zeit entstanden wie die Bäsle-Briefe, das gibt der Sache gewissermaßen einen historischen Zusammenhalt.

Was hat Sie als Musiker an den Briefen angesprochen?

Well: Ich finde die Sprache Mozarts hochmusikalisch, er hat einen besonderen Duktus. Man merkt, er kommt in den Briefen vom Hundertsten ins Tausendste, fast so wie bei seinen Kompositionen, in denen er ständig neue Motive findet.

Und warum mussten es die Bäsle-Briefe sein?

Well: Weil die einfach unglaublich lustig sind. Das Bäsle, also Mozarts Cousine, war wohl seine erste große Liebe. Sie muss ein unangepasstes lustiges Weibsbild gewesen sein. Sie hat übrigens nie geheiratet und später ein uneheliches Kind zur Welt gebracht. Sie müssen sich vorstellen, wie viel unglaubliches Stehvermögen diese Frau gehabt haben muss in diesen Zeiten.

Es geht auch mal ziemlich zotig zu in der Korrespondenz.

Well: Das sind keine Schweinereien, das war eher eine Art Geheimsprache, denn zu der Zeit wäre das Verhältnis zwischen den beiden strafbar gewesen; deswegen mussten sie einen Code entwickeln, den nur sie verstanden.

Die Texte sind gar nicht so leicht zu lesen…

Well: Wenn man die nur liest, versteht man manchmal gar nicht, was da steht. Deswegen habe ich es immer wieder laut vorgelesen und auf diese Weise auswendig gelernt. Es war schwierig. Meine Brüder haben es oft anhören müssen.

Ist es Zufall, dass es Briefe von Wolfgang Amadeus Mozart sind, die Sie so begeistern?

Well: Es gibt im Leben keine Zufälle. Mozart war für mich immer der liebe Gott der Musik. Nie wieder ist so vollkommene Musik geschrieben worden. Da ist eine Balance, die mir sehr nahegeht. Der Mann hat jeden Tag tausende Noten aufgeschrieben, und jede davon ist unverrückbar. Und nebenbei hat er unzählige Briefe geschrieben, man weiß gar nicht wie. Mozart hat ja ein Viertel seines Lebens in Kutschen verbracht, und das war damals ein übles Gerumpel. Manchmal hat er sich mit den Händen auf dem Boden abgestützt, weil sein Hintern wundgescheuert war.

Sie haben sich so intensiv mit den Briefen befasst. Hat das Ihr Bild von Mozart verändert?

Well: Es hat ihn vermenschlicht gewissermaßen. Wenn er über seine Leibeswinde spricht, spürt man: Das war ein Mensch mit viel Witz. Sein Humor ist mir nahe, und von der Mentalität war Mozart ohnehin eher Bayer als Österreicher. Er wäre furchtbar gerne in München genommen worden, weil er Salzburg nicht mochte. Stellen Sie sich vor, dann wäre München heute Mozart-Stadt und es gäbe die Mozart-Weißwurst.

Das haben die Österreicher clever gemacht, der Welt zu verkaufen, dass Mozart ihnen gehört…

Well: Das war ein quietschfideler Urbayer, der es hat krachen lassen. Der hat sich was getraut und sich eine kindliche Sicht auf die Welt bewahrt, was mir grundsätzlich sympathisch ist.

Würden Sie gerne auf längere Tour damit gehen?

Well: Nein, für mich ist das ein Zuckerl. Ich lebe von anderen Sachen, da gibt es Verpflichtungen. Aber diese Mozart- Abende sind für mich echter Luxus, den ich sehr genieße. Ich sitze auf der Bühne und höre die schönste Musik der Welt. Das gibt es nur ein paar Mal im Jahr, aber das sind immer sehr erfüllende Abende für mich.

Konzert und Lesung am heutigen Donnerstag um 19.30 Uhr im Münchner Künstlerhaus; Karten: 089/59918414 oder 089/54818181.

Das Gespräch führte Zoran Gojic

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