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AC/DC rockten das Olympiastadion.

Konzertkritik

"Let there be rock": AC/DC begeistern im Olympiastadion

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München - AC/DC haben am Dienstagabend das Olympiastadion gerockt. Hier gibt's die Konzertkritik.

Gegen halb elf, kurz vor Feierabend, hat Angus Young die gut 67 700 Menschen im Münchner Olympiastadion schwindlig gespielt. Hat bei „Let there be Rock“ eines dieser Soli aus dem Handgelenk geschüttelt, die dauern und dauern und immer noch eine Umdrehung finden. Dafür wurden Stadionkonzerte erfunden. Auf einem Steg ist der AC/DC-Gitarrist weit in die Arena gelaufen, das Podest an dessen Ende hat ihn einige Meter in den Nachthimmel gehoben, aus dem es an diesem Dienstagabend dauernd regnet. Wurscht, Angus Young, dieser virtuose Teufel der Musikgeschichte, spielt weiter, immer weiter, und zurück auf der Bühne, jetzt stehend auf den Lautsprechern im Hintergrund, beginnt er ein Zwiegespräch mit den Fans: Stromgitarre – Kreischen – Stromgitarre – Kreischen. So geht Rock’n’Roll.

Ein solcher Dialog braucht keine Worte, was zu sagen ist, kann die Gitarre, kann das Brüllen der Zuschauer ebenso gut ausdrücken: Das erste Konzert von AC/DC in München hat alles, was ein solcher Abend haben muss. Auch im 42. Jahr ihres Bestehens läuft die Hardrock-Maschine aus Australien derart einwandfrei, dass die Höllenglocken sauber dröhnen.

Das war nicht unbedingt zu erwarten. Denn die Band hat das wohl schwerste Jahr seit 1980 hinter sich, als ihr damaliger Sänger Bon Scott starb. Gründungsmitglied Malcolm Young, der mit seiner zuverlässigen Arbeit an der Rhythmusgitarre die Dampflok AC/DC erst auf Betriebstemperatur brachte, leidet an Demenz, musste die Band 2014 verlassen. Sein Neffe Stevie ersetzt ihn und interpretiert seine Rolle bei Konzerten ähnlich zurückhaltend wie der Onkel. Zudem muss sich Phil Rudd derzeit in einem Prozess verantworten; er soll einen anderen mit dem Tod bedroht haben: An seiner Stelle arbeitet Chris Slade wieder am Schlagzeug. Das hat der heute 68-Jährige bereits zwischen 1990 und 1995 getan – seine Rückkehr ist live ein Gewinn. Scheinbar mühelos packt Slade noch zwei, drei Schaufeln mehr unter den Kessel, erhöht den Druck und hält – zusammen mit Cliff Williams, der am Bass verlässlich ist wie die Bank von England – das Spektakel zusammen.

So haben Sänger Brian Johnson, den man lange nicht mehr so gut gelaunt gesehen hat, und Leadgitarrist Angus Young die ganze breite Bühnenrampe, um ihren Rock’n’Roll-Donner durchs Stadion zu wälzen. Und gerade als man denkt, dass Johnsons Stimme heute noch mehr nach schnellem, vor allem schmutzigem Sex klingt, fängt die Kamera eine Frau im Publikum ein, die blank zieht.

Derweil hat Angus Young, in seiner Schuluniform aus rotem Samt, ein Teufelchen in jedem Finger seiner linken Hand. Irrwitzig flitzen sie übers Griffbrett; gleich bei der zweiten Nummer des Abends, „Shoot to Thrill“, legt er zum ersten Mal den legendären Duckwalk hin. Extra Jubel.

Eröffnet haben AC/DC das Konzert mit „Rock or Bust“, dem Titellied ihres aktuellen Albums. Es folgt die richtige Mischung aus neuem Material und Klassikern des Repertoires, die in der Menge besonders schnell zünden. Darunter etwa die Wunschlos-glücklich-Nummern „Back in Black“, „Hells Bells“, „Thunderstruck“, „T.N.T., „Whole Lotta Rosie“, „You shook me all Night long“ und eine derart staubtrocken hingeknüppelte Version von „Sin City“, dass man sofort die Koffer für den Umzug packen wollte.

Die Musik dieser Band ist ja so etwas wie der Kreuzschlüssel in der Garage: Beinahe in jedem Auto liegt dieses Werkzeug, es ist einfach zu bedienen, schnörkellos, unschlagbar effizient. Schraube packen, drehen, fertig. Was will man mehr? Nicht anders funktioniert ein Song von AC/DC: Riff, Gesang, Riff, Wumms. Immer auf die Zwölf.

Aktuell gibt sich die Band noch reduzierter: Bühnenbild? Vergiss es. Wo bei der letzten Tour eine Lokomotive stand, drücken heute nur noch Lautsprecher den Sound ins Rund. Ansagen zwischen den Liedern? Zeitverschwendung, wo es doch Musik gibt. „I hope, you like Rock’n’Roll. The party starts right now“ – Brian Johnson wird in den zwei Stunden kaum mehr als diese Sätze am Beginn sagen. Kein Wort zu Malcolm Young, nichts zu Rudd. AC/DC, dieser größte gemeinsame Nenner der Rockmusik, ist längst über die Schicksale der Mitglieder hinausgewachsen. Diese Zuverlässigkeit ist himmlischer Trost – und höllischer Spaß.

AC/DC spielen am Donnerstag, 20.30 Uhr, nochmals im Münchner Olympiastadion. Restkarten an der Abendkasse.

Bilder: AC/DC rocken das Olympiastadion

Michael Schleicher

 

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