Die letzte Kur

- Noch ein letztes Mal, ehe auch diese Produktion weichen soll, hatte die Bayerische Staatsoper Nicholas Hytners Sichtweise des "Don Giovanni" zurück auf die Bühne geholt. Nicht ohne eine letzte Frischzellenkur, gab es doch in fast allen entscheidenden Partien neue Namen zu erleben. Im Graben schlug Ivor Bolton bereits in der Ouvertüre zügige, wenn auch manchmal unschlüssige Tempi an, die nicht nur auf Zustimmung stießen.

Der schlanke Mozartton, auf den er abzuzielen schien, kam Simon Keenlyside als Titelheld entgegen, der Kraftmeierei vermied und einen eleganten Verführer porträtierte, der mit sanftem Stimmglanz und einschmeichelndem Legato die Herzen der Frauen zu erobern wusste. Aus anderem Holz war der handfeste Leporello Jonathan Lemalus, der mit komödiantischem Talent punkten konnte, dabei auch ein wenig übers Ziel hinausschoss und sich zu vokalen Grimassen hinreißen ließ.

Von der Premierenbesetzung übrig geblieben war einzig Alison Hagley, die der Zerlina aber doch langsam entwachsen ist.

Wogegen für Margarita De Arellano die Donna Anna noch etwas zu früh zu kommen schien. Doch gab sie mit dem fulminanten Racheduett im ersten Akt und ihrem die Ensembles überstrahlenden Sopran ein ernstes Versprechen für die Zukunft. Mit Toby Spence hatte sie einen Ottavio zur Seite, dem es mit einem ungewohnt leidenschaftlichen Vortrag gelang, seine Rolle zumindest teilweise aus ihrem Schattendasein zu befreien. Ihm hätte man, ebenso wie der Noblesse ausstrahlenden Elvira von Veronique Gens, gerne die gestrichene zweite Arie gegönnt. Auf die wird man wohl bis zum neuen "Giovanni" warten müssen.

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