Thomas Tuchel ist nicht mehr Trainer von Borussia Dortmund

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Extreme Konzentration auf Mahlers Koloss: Lorin Maazel am Pult in der Münchner Philharmonie.

Letzte Dinge im Neonlicht

München - Fulminanter Saisonstart: So war Lorin Maazels imponierendes Antrittskonzert als Chef der Münchner Philharmoniker mit Mahlers Neunter - eine Kritik.

Dankbarere Werke hätte es gegeben, repräsentativere. Solche mit Riesensteigerung, Apotheose und eingebauter Ovationsgarantie. Auch vor diesem Hintergrund ist Mahlers neunte Symphonie zu Lorin Maazels Münchner Amtsantritt eine Aussage. Und ein Risiko: Mahlers Letzte verlangt nicht nur eine Haltung zu Mahlers letzten Dingen, sondern auch eine extreme Konzentration des Klangs, ein technisches Vermögen, für das selbst 1A-Ensembles hart arbeiten müssen. Nicht nach dem Effekt schielt also dieses Konzert zum Neuanfang, es imponiert in seiner Ernsthaftigkeit, in seinem Wagemut.

Und die Sache mit dem Abschiedsopus? Was bei Maazels erstem Abend als neuer Chef der Münchner Philharmoniker hörbar wird: Eine schmerzvolle Tondichtung, ein in Klang gegossenes Weh und Ach, ein tränensatter Weltabgesang ist von dem 82-Jährigen weniger zu haben. Maazel nimmt die Neunte in der fast ausverkauften Philharmonie als das, was sie eben auch ist. Als eine Tür zur Moderne, als 90-minütiges Stück absoluter Musik, das von der Auflösung überkommener Strukturen raunt und schreit und von der Emanzipation aller Klang- und Stimmebenen.

Vielleicht deshalb bleibt die Stimmung eher gebremst. Viel Kulturprominenz, auch von der BR-Konkurrenz. Jubel, ein Sträußlein vom Orchestervorstand, ein Strauß von Gasteig-Chefin Brigitte von Welser, aber keine Standing Ovations – wie noch wenige Tage zuvor beim Amtsantritt von Maazels Vorgänger, bei Christian Thielemann mit der Staatskapelle Dresden in der dortigen Semperoper.

Aber eine Erkenntnis gibt es. Maazel arbeitet ja schon seit einem Jahr mit den Philharmonikern zusammen. Und tatsächlich hat sich da etwas verändert bei Münchens städtischem Orchester, zumal dann, wenn kein Opus der drei großen „Leib-und-Magen-Bs“ Bruckner, Brahms und Beethoven auf den Pulten liegt. Agieren dort die Philharmoniker traditionell mit Bronzeton im Dämmerschein, bringt Maazel für Mahler die Neonlampe mit. Hell, fast gleißend tönt schon das einleitende Andante, mit scharf profilierten Bläsern. Und wo andere, etwa am Beginn der Durchführung, die Streicher-Episode als diffuses Gespinst deuten, fordert Maazel eine genaue Kontrastierung der Verläufe ein. Enorm konzentriert und geschlossen operieren hier die Philharmoniker, es sind die besten 25 Minuten des Abends.

Maazel, der Übersichtskünstler, der kristallklar schlagende Organisator – gerade solchen Kolossen steht das gut. Mit wenigen, kleinen Handgriffen werden da die Tempo-Rückungen des zweiten Satzes realisiert. Der neue Chefdirigent ist längst darüber hinaus, solche Kniffe übertrieben vorzuführen. Das unmerkliche Gleiten von einem Aggregatszustand in den nächsten, auch die Selbstverständlichkeit, mit der die Episoden gegeneinander geschnitten werden, das lässt solche Momente groß werden.

Es gibt sicher drastischere, fratzenhaftere Aufführungen der Neunten, gerade in den Mittelsätzen. Den Bläsern, traditionell die Stützen der Philharmoniker, belässt Maazel die Eleganz ihres Spiels, auch wenn er Offensives verlangt. Das Problem bleiben viele Streicherstellen, in denen nur die vorderen Pulte die notwendige Angriffslust aufbringen. Trotzdem: Die stete Energiezunahme dieses Adagios, das nie zerfließt, sondern eigentümlich gläserne Klangwirkungen produziert, die Megawatt-Intensität, bevor dann die Musik von etwas Unsagbarem loszulassen scheint, all das macht dieses Antrittskonzert zum Ereignis.

Besonders am Ende, wo kein Stäubchen die Intonation trüben dürfte, da kommt es für die Damen und Herren mit den Bögen dann doch zum Schwur. Und hörbar wird, wo sich für den neuen Chef Betätigungsfelder eröffnen. Immerhin drei Jahre hat Lorin Maazel Zeit, dem vor Beginn mit einer Rede gehuldigt wurde. Nein, nicht von Oberbürgermeister Christian Ude, der standesgemäß seinen teuersten Angestellten hätte begrüßen müssen: Elke Heidenreich trat ans Pult, berichtete von ihrer ersten Klassikplatte mit Händels Feuerwerks- und Wassermusik unter Maazel und warb für Veränderung in der Kunst. Im Programmheftaufsatz schrieb sie, dass vermutlich die meisten Politiker unmusikalisch seien. Das wäre eine Erklärung.

Markus Thiel

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