+
Unbekümmerte Bilanz: Oliver Geissen.

Letzte Folge der "Oliver Geißen Show": Schluss mit Krawall-Talk

Mit Oliver Geissens Show endet die vorletzte tägliche Talkshow – doch im Nachmittagsfernsehen wird weiter schmutzige Wäsche gewaschen.

„Die Oliver Geissen Show“ (heute, 14 Uhr, RTL): zickige Hausfrauen, fettleibige Faulenzer oder trunksüchtige Teenager, die sich vor laufender Kamera in die Haare geraten. Seit Jahren funktioniert das Fernsehprogramm nachmittags nach dem Motto: Unsere tägliche Dosis Krawall gib uns heute.

Von Nachmittagstalks, in denen ungeklärte Vaterschaften, Seitensprünge und ähnliche unter der Gürtellinie angesiedelte Themen verhandelt werden, hat der Zuschauer nun aber genug – und so streicht mit Oliver Geissen der vorletzte Daily-Talker die Segel: Heute moderiert er bei RTL die letzte Ausgabe seiner Show. Nach zehn Jahren und 1807 Folgen sind die Quoten mittlerweile so mies, dass RTL dem Schrecken ein Ende setzt.

Das letzte Relikt des Genres ist nun die Sat.1-Show „Britt – Der Talk um eins“ mit Moderatorin Britt Hagedorn und Themen wie „Heute kommst du an den Pranger!“. Doch trotz des Rückzugs der Krawall-Talkshows gibt es im Nachmittagsprogramm keine große Qualitätsoffensive: RTL bestückt Geissens freigewordenen Sendeplatz mit der Reality-Soap „Mitten im Leben“, in der genauso wie in den anschließenden neuen Doku-Soaps „Verdachtsfälle“ und „Familien im Brennpunkt“ reichlich schmutzige Wäsche gewaschen wird.

Bei Sat.1 gehen sich die Leute in Gerichtsshows an den Kragen, und auf Pro Sieben laufen Sendungen wie „U20 – Deutschland, deine Teenies“, von der der Sender freimütig sagt, dass sie 13-jährige Mädchen in den Kreißsaal begleitet und übergewichtigen, kriminellen oder drogenabhängigen Jugendlichen in Umerziehungslager folgt. Doch mögen sich die Themen auch ähneln – die Zeiten, in denen Hans Meiser, Arabella Kiesbauer oder eben Oliver Geissen zum Ärger der Kritiker das Programm dominierten, sind vorbei. „Die Oliver Geissen Show“ war am 23. August 1999 gestartet und lange sehr erfolgreich. „Zuletzt konnte der Talk jedoch keine zufriedenstellenden Marktanteile mehr erzielen“, räumt RTL ein. Von Januar bis April dieses Jahres sahen jeweils noch 1,04 Millionen hartgesottene Daily-Talk-Fans zu, wenn es hieß: „Spermaquiz – Wer ist hier der Vater?!“ oder „Gebärmaschine – Ich bin 21 und zum 9. Mal schwanger!“.

Geissen selbst hat mit dieser Form von TV-Unterhaltung keinerlei Probleme: „Es waren spannende, lustige und erfolgreiche zehn Jahre“, so seine unbekümmerte Bilanz, und auf diese Zeit könnten alle Beteiligten stolz sein. Wer jemals eine der von Kritikern als voyeuristisches Unterschichtenfernsehen gescholtenen Shows gesehen hat, kann darüber nur die Stirn runzeln.

Arbeitslos ist der 40-jährige Hamburger, der 2000 als Moderator von „Big Brother“ seinen Durchbruch hatte und mit Schauspielerin Christina Plate liiert ist, künftig nicht – er will die freigewordene Zeit nutzen, um noch mehr lärmend-fröhliche Spektakel wie „Die ultimative Chartshow“ zu moderieren, die er schon jetzt regelmäßig abends präsentiert. Im Winter soll Geissen für RTL, das seinen Vertrag vorzeitig bis Ende 2011 verlängert hat, „18 – Forever Young“ moderieren, eine Nostalgieshow, in der sich Prominente an ihre Jugendzeit erinnern. Zudem ist Geissen an der Produktionsfirma „Norddeich TV“, beteiligt – sie produziert unter anderem die Doku-Soap „Mitten im Leben“, die künftig auf seinem altem Talk-Sendeplatz läuft.

Von Cornelia Wystrichowski

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Die Fantastischen Vier in der Oly-Halle: Mit fantastischen Grüßen
München - Wer das Wort „fantastisch“ im Namen führt und auszieht, sein Best-of unters Volk zu bringen, der hängt die Messlatte hoch. Die Fantastischen Vier erfüllen den …
Die Fantastischen Vier in der Oly-Halle: Mit fantastischen Grüßen
Im Reich von Mode und Magie
Zürich - Spätestens seit dem Terroristen-Epos „Carlos“ ist der französische Filmemacher Olivier Assayas auch deutschen Kinofans ein Begriff. Sein preisgekröntes Drama …
Im Reich von Mode und Magie
Mordmotor mit Unwucht
Andreas Kriegenburg inszenierte William Shakespeares „Macbeth“ fürs Münchner Residenztheater
Mordmotor mit Unwucht
Hansi Kraus im Interview: „Wurde von meiner Familie betrogen“
München - Hansi Kraus ist der ewige Lausbub - auch, weil er diesen in Ludwig Thomas Lausbubengeschichten verkörpert. Im Interview spricht Kraus auch über die …
Hansi Kraus im Interview: „Wurde von meiner Familie betrogen“

Kommentare