Letzte Kontrollen am Gleis

Ausstellung über spanische Emigration: - Im Hafen von La Coruña stapeln sich 1925 riesige Überseekoffer vor erwartungsvollen, abschiedstränennassen Gesichtern. An den Gleisen von Figueres harren 1976 müde Weinleser der Kontrollen. Am Flughafen von Barajas posieren 1951 stolze Schäfer. Im Madrider Nordbahnhof verabschiedet 1941 der Arbeitsminister die ersten "productores" unter Hakenkreuzfahnen nach Deutschland.

Es herrscht Auswanderungsstimmung im Spanien des 20. Jahrhunderts. Schon 1880 verlassen die Ersten das Land in Richtung Kuba, bis 1930 werden es 1,5 Millionen sein. Noch bis zum Eintritt in die Europäische Gemeinschaft 1986 bleibt Spanien Auswanderungsland, dann plötzlich wird es zur europäischen Tür nach Afrika und Amerika.

"Die spanische Emigration in Bildern": Von einem Thema, das meist in harten Zahlen und negativen Fakten abgehandelt wird, erzählt eine Wanderausstellung des Spanischen Ministeriums für Arbeit und Soziales allein durch die starken Emotionen schwarz-weißer Fotografien. Die 66 Bilder wurden aus Archiven und privaten Beständen zusammengetragen; die meisten von ihnen besitzen den unmittelbaren Charme von Schnappschüssen.

Die große Reise: In München beginnt sie im Saal des Instituto Cervantes. Dann verzweigt sich die gemeinsame Emigrationsgeschichte in individuelle Immigranten-Schicksale: Vorbei an spanischen Schulkindern in Paris, London, Schaffhausen, an Tanzschulen und Gastronomiebetrieben, an Manuel González, der 1975 auf einem Pariser Boulevard als Charlie Chaplin auftritt, an einer Getränkefabrik in Argentinien und einer Fußballelf in Mexiko schlängelt sich eine wichtige Epoche der spanischen Geschichte die Treppe hinunter ins Erdgeschoss. Den Begleittext liefert das Rahmenprogramm: Inwiefern Migration als Modernisierungsmotor wirkt, das diskutiert am 15. Mai ein Symposion in zwei Expertenrunden: "Spanien" (16.30 Uhr) und "Europa" (19.30 Uhr). Drei aktuelle Filme werfen am 9., 14. und 22. Mai den Blick zurück auf das deutsche und Schweizer Leben spanischer Gastarbeiterfamilien in den Sechzigern im Zwiespalt zwischen alter und neuer Heimat.

Bis 15. Juni,

Mo.-Do. 12-19 Uhr, Alfons-Goppel-Str. 7. Tel.: 089 / 290 71 80. Der Eintritt ist frei.

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