Letzte Sahneschnitten

- Aus, vorbei. Für immer, jedenfalls fast. Seit November 2003 und noch bis zum Frühjahr 2005 nehmen sie Abschied, die "Missfits". Je ausführlicher und länger geplant so ein Ende eines Künstlerduos, desto ernsthafter. Möchte man meinen angesichts von Bühnengrößen, die eben mal die letzte Tournee verkünden, um sie dann zur vorletzten umzudeklarieren.

<P>Aber Gerburg Jahnke und Stephanie Überall meinen es mit "Letzte Runde" ganz ernst: "Aufhören, wenn es am schönsten ist." Und es ist so schön, dass die beiden mühelos einen Circus-Krone-Bau füllen und zwei Zusatztermine in München haben. </P><P>Ein Medley der traurigsten Endzeit-Lieder mahnt die Tränendrüsen ab der ersten Abschiedsshowsekunde: Matta und Lisbett mit der liebestollen Waschmaschine, Frau Geisiemeisie und ihre Feminispräch, Cora von Ablaß-Krause ("Wenn isch ein Flasch' wär") und die Lehrerinnen vom Schulklo verlassen die Kabarettbühne. Hinterlassen eine Welt, die wieder geteilt sein wird in über und unter der Gürtellinie. Denn diese Figuren sprachen über wirklich alles und waren wundersamerweise doch nie obszön. Ob sie sich mit Hygieneartikeln, Klofrauen oder toten Männern beschäftigten.</P><P>Wenn Jahnke flötete und Überall röhrte, war keiner sicher. Die beiden waren nämlich ebenso männer- wie frauen-, kinder-, senioren-, mütter- und lehrerinnenfeindlich. Und liebten ihre Opfer doch allesamt. Weil sie so konsequent ihre Figuren spielten, die sich freilich übereinander lustig machten, und jede Frechheit zu Ende dachten, geriet ihnen das, was andernorts platt gewirkt hätte, zum "Sahneschnittchen", wie die Oberhausenerin es ausdrückt. Ein "Wied-sie-sehn" wünschen sich alle Feminisprächkundigen, vielleicht bei dem ein oder anderen Soloprogramm, Verzeihung, "ein od-sie änd-sie-en Sölöprögrämm". </P><P>Noch heute und am 28. Oktober. Tel. 089/ 54 81 81 81.</P>

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