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Neue Platte, Welttournee – und dann ist Schluss: Matthias Jabs, Klaus Meine und Rudolf Schenker (v. li.) wollen 2012 das „Kapitel Scorpions“ beenden.

Letzte Tournee: Die Scorpions machen Schluss

München - Die Scorpions, Deutschlands erfolgreichster Rock-Export, über ihr neues Album und ihre Trennung.

Seien wir ehrlich: Es ist ein seltsamer Gedanke, dass die Scorpions abtreten wollen. „Sting in the Tail“ erscheint am 19. März und soll das letzte Studioalbum der Band aus Hannover sein. Bereits am 15. März startet in Prag die Welttournee – bis 2012 wollen die Musiker auf allen fünf Kontinenten gespielt haben. Dann soll Schluss sein. Geht das überhaupt? Diese Band war doch immer da – fast wunderte man sich ein bisschen, wenn man an einem Samstag mal zufällig ins ZDF zu „Wetten, dass..?“ zappte, und die Scorpions traten nicht auf. Die fünf Musiker haben zwar schon lange keine wirklichen Innovationen für die Rockmusik mehr geliefert – dass sie aber ganz ohne Streit und Stress Schluss machen wollen, dass sie gehen, bevor „es unwürdig wird“ (Gitarrist Rudolf Schenker), hat wohl auch niemand erwartet.

„Unser Manager hat den Stein ins Wasser geworfen“, erzählte Sänger Klaus Meine am Montag im Bayerischen Hof in München. Bei der Arbeit an der neuen Platte habe man gemerkt, dass das „ein ganz besonderes Album“ werde – der ideale Zeitpunkt, um abzutreten? „Zunächst nahmen wir die Idee nicht so ganz ernst“, sagt der 61-Jährige, der 1969 zu der von Gitarrist Rudolf Schenker gegründeten Gruppe stieß. „Aber dann haben wir hochgerechnet: Wir sind jetzt noch zwei bis drei Jahre auf Tour. Dann machen wir das seit 40 Jahren, ohne eine Auszeit genommen zu haben.“ Da sei es ein naheliegender Gedanke, „auf die Zielgerade einzubiegen und das Kapitel Scorpions zu beenden“. Eines ist Meine aber wichtig: „Das Wort ,Rente‘ findet in unserem Wortschatz nicht statt. Wir sind bis zum letzten Atemzug Musiker, und keiner von uns wird nach dem letzten Konzert in ein dunkles Loch fallen.“ Den Eindruck von Rock-Opas, die müde und satt geworden sind, wollten er, Rudolf Schenker (61) und Gitarrist Matthias Jabs (54) unbedingt vermeiden: „Der Stachel der Scorpions“, setzt Meine an, „ist immer noch...“ Nur das Adjektiv will ihm dann nicht einfallen – „...scharf“, springt Schenker in die Bresche.

Ihre Fans sehen das offenbar genau so: Die Scorpions sind die weltweit erfolgreichste Band aus Deutschland. Und obwohl sie hier manchmal auch belächelt wurden, läuft der Vorverkauf für die Abschieds-Tour so gut, dass weitere Konzerte in Deutschland für November bereits angesetzt sind.

Doch ist das letzte Wort in Sachen Trennung wirklich gesprochen? Zwar könne man „nie alles ausschließen“, sagt Meine, aber bei den Scorpions sei es nicht wie bei Tina Turner, die noch nach jeder Abschiedstour auf die Bühne zurückgekehrt ist: „Da hätten wir ja vor zehn Jahren mit anfangen müssen.“

Michael Schleicher

Konzert am 8. Mai in der Münchner Olympiahalle. Karten unter 0180/ 54 81 81 81.

So klingt das neue Album der Scorpions:

Das neue und letzte Album der Scorpions „Sting in the Tail“ (Sony) erscheint am 19. März und soll ein „europäisches Album“ sein, sagt Band-Gründer Rudolf Schenker, das an die „Essenz der Scorpions aus den Achtzigern“ erinnere. Damals setzte die Band an, um mit mächtigen Rockballaden einerseits sowie treibendem Gitarren-Sound andererseits die Stadien der Welt zu erobern. Es sollte gelingen. Gelungen ist auch jetzt der Rückgriff auf jene Zeit: Als hätte sich die Rockmusik in den vergangenen Dekaden nicht weiterentwickelt, spielt die Band technisch sauberen Hardrock, der – ein bisschen aus der Zeit gefallen – dennoch nur eine Richtung kennt: nach vorn. Das mag man als einfallslos kritisieren, richtig langweilig wird es mit den zwölf Stücken aber nie. Schlicht gestrickte, aber gerade deshalb enorm effektive klassische Feger: „Rock Zone“ und „Let’s rock!“. Die Balladen auf dem neuen Album reichen jedoch nicht unbedingt an die großen Hits der Band heran – trotz Unterstützung durch die finnische Sängerin Tarja Turunen (Ex-Nightwish). Eines ist sicher: Scorpions-Fans werden „Sting in the Tail“ in jedem Fall lieben.

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