Letzter Run auf Harry Potter

Hamburg - Es wird die letzte magische Nacht des Zauberlehrlings: Um eine Minute nach Mitternacht erscheint am frühen Samstagmorgen der siebte und letzte Harry-Potter-Band auf Deutsch. Die Fans feiern den Abschied des Magiers landauf landab mit Mitternachtspartys, Schokofröschen und Zauberwasser. Zahlreiche Buchhandlungen sind nachts geöffnet und verkaufen "Harry Potter und die Heiligtümer des Todes" von 00.01 Uhr an.

Der Hamburger Carlsen Verlag rechnet damit, dass bereits am ersten Tag mehr als eine Million Exemplare verkauft werden.

Viele Einzelheiten aus dem Buch der britischen Autorin Joanne K. Rowling haben sich längst herumgesprochen - schließlich ist das Finale der Saga auf Englisch bereits seit gut drei Monaten zu haben. Dem Hype um Harry tut das aber keinen Abbruch. Hunderttausende werden sich am Wochenende mit der langersehnten deutschen Übersetzung des letzten Bandes verkriechen und die 736 Seiten verschlingen.

Insgesamt startet "Harry Potter und die Heiligtümer des Todes" mit einer Rekordauflage von drei Millionen Exemplaren. Diese Exemplare sind nach Angaben von Carlsen-Sprecherin Katrin Hogrebe alle Jugendausgaben. In einer Woche kommen dann weitere 15 000 Bücher mit einem anderem, speziell Erwachsene ansprechenden Titelbild auf den Markt.

Die Rekordauflage sprengt alle bisherigen Dimensionen. Der erste Band auf Deutsch im Juli 1998 hatte eine Erstauflage von 8000, in England startete die Saga gar mit nur 500 Exemplaren. Mittlerweile hat Potter Millionen Leser auf der ganzen Welt verzaubert: Rund um den Globus wurden nach Angaben des Bloomsbury Verlags in London etwa 350 Millionen Potter-Bücher verkauft. "Das Phänomen besteht in der ungewöhnlich hohen Verbreitung, die kein anderer derartiger Titel erreicht hat", sagt der Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Gottfried Honnefelder.

Die Frage aller Fragen ist zwar längst beantwortet: Der Zauberlehrling stirbt im letzten Band nicht. Der Carlsen Verlag hat aber dennoch keine Sorge, auf der deutschen Ausgabe sitzenzubleiben. Allein beim Internet-Händler Amazon gingen bis Donnerstag mehr als eine Viertelmillion Bestellungen ein. Die Bände würden bis spätestens 10.30 Uhr am Samstag ausgeliefert, verspricht Sprecherin Christine Höger. "Der neue deutsche Harry-Potter-Band ist der am meisten vorbestellte Einzeltitel, den wir je hatten." Andere große Händler wie Libri in Hamburg hielten sich mit Zahlenangaben zurück.

Von der englischen Originalausgabe des letzten Potter-Bandes gingen allein in Deutschland am ersten Wochenende im Juli fast 400 000 Exemplare weg. "Harry Potter and the Deathly Hallows" eroberte auf Anhieb auch Platz eins der deutschen Buchcharts. "Es ist aber noch einmal etwas anderes, das Buch in der eigenen Sprache lesen zu können", sagt die Gründerin der Fanclubseite www.hp-fc.de, Saskia Preissner. "Gerade die vielen Details und die Atmosphäre sind in der Muttersprache doch schöner." Während sie den englischen Band ganz schnell verschlungen habe, werde sie die deutsche Version genießen. "Man kann sich jetzt entspannt zurücklehnen, man weiß ja schon wie es ausgeht."

In der magischen Nacht zum Samstag will sie mit anderen Fan-Club- Mitgliedern mit dem Hogwarts Express - einer Dampflok - vom Berliner Ostbahnhof zu einer geheimen Potter-Party fahren. Gefeiert wird mit Schokofröschen und Brause - und um 00.01 Uhr natürlich mit dem letzten Potter-Band. In Essen fiebern Fans in der Zeche Carl der Geisterstunde entgegen.

Auch in vielen Buchhandlungen bekommen die Fans den siebten Band auf Deutsch schon in der Nacht. Mit Schokofröschen, Butterbier und Zauberwasser will das Kulturkaufhaus Dussmann in Berlin die Fans bis zur Geisterstunde bei Laune halten. Hugendubel lädt in acht deutschen Städten zu "magischen Mitternachtspartys" ein - darunter in Würzburg, Leipzig, Ulm, Frankfurt und Erfurt. Auch einige Thalia-Läden öffnen zur Geisterstunde. Andere Buchhandlungen machen am Samstag, aus der Sicht von Potterfans, "erst" um 6 Uhr auf - zum Zauberfrühstück zum Beispiel bei "Weltbild plus" in Kiel und Flensburg.

Traurig, dass nach zehn Jahren und 4320 Seiten jetzt alles vorbei sein soll, seien die meisten Mitglieder in ihrem Fanclub nicht, sagt Saskia Preissner. "Wir wollen einen achten Band schreiben." Viele Fans seien mit dem Ende des siebten Bandes nicht zufrieden. "Es ist ein bisschen ein Hollywood-Ende. Viele Fans waren total enttäuscht, das kann auf gar keinen Fall so stehenbleiben."

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