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Ein letztes Ade

- Vor dem August-Everding-Porträt im Parkett-Foyer stand ein großes Blumengesteck. Bunt, üppig, reich und ein bisschen kitschig. Und entsprach eigentlich genau jener Inszenierung von ihm, die nicht nur den Schlusspunkt unter die diesjährigen Münchner Opernfestspiele setzte, sondern die jetzt nach 24 Jahren ihre letzte Vorstellung überhaupt erfahren hat: Richard Wagners "Die Meistersinger von Nürnberg".

<P>Bis auf den letzten Platz besetztes Nationaltheater. Ein Hauch von Nostalgie. Nicht wenige Zuschauer, die 1979 bereits die Premiere gesehen haben dürften. Nun, aus dieser Zeit ist außer dem Bühnenbild von Jürgen Rose naturgemäß nicht mehr viel übrig. Und das ist in seiner hellen Holzkonstruktion von Nürnberger Fachwerk- bis Münchner Bierzeltarchitektur noch erstaunlich intakt. Dass diese letzte Vorstellung nicht ganz in allerliebster Niedlichkeit erstickte, dafür sorgte neben dem straffen, forcierten Dirigat von Peter Schneider vor allem der fantastische Jan-Hendrik Rootering.</P><P>Sein Hans Sachs war an diesem letzten Abend von nie nachlassender, bewundernswerter Präsenz. Spiel und Gesang verschmolzen zu einem organischen Ganzen. Ach, trotz der beeindruckenden Korpulenz dieses Sachs' - vielleicht hätte Eva doch<BR>Rooterings große Präsenz</P><P>lieber diesen charmanten wie diskreten Dichter-Schuster nehmen sollen anstatt des unerfahrenen Stolzing. Was sie natürlich auch bei dieser Opern-Finissage nicht tat. Auf jeden Fall aber beruhigt es irgendwie, dass Rootering in der kommenden "Meistersinger"-Neuinszenierung von Thomas Langhoff wieder mit dabei sein wird.</P><P>Jan-Hendrik Rootering in Gesang und Darstellung ebenbürtig: der ausgezeichnete René Pape als Pogner. Die Lacher auf seiner Seite hatte als souveräner Komiker Eike Wilm Schulte. Doch sein etwas zu alter und leider sehr kalauernder Beckmesser geriet an diesem letzten Abend immer mehr zu platter Klamotte. Emily Magee war dagegen eine ernst zu nehmende Eva, der man freilich einen stimmlich etwas vitaleren Stolzing gegönnt hätte, als es der sauber singende Robert Dean Smith war.</P><P>Alle haben sich für diese Derniè`re noch einmal mordsmäßig angestrengt, vor allem Chor, Extrachor, Statisten und Artisten. Dazu kam, dass der Chor der Bayerischen Staatsoper mit dieser Vorstellung auch seinen Direktor Udo Mehrpohl in den Ruhestand verabschiedete. Applaus schon einmal nur für ihn. Als der Beifall nach über sechs Stunden Operntheater scheinbar kein Ende nehmen wollte, verabschiedeten sich Künstler und Techniker auf besondere Art: die Sänger erschöpft, aber selig am Biertisch auf der Bühne mit einer Mass in der Hand, währenddessen die Bühnenarbeiter bereits begonnen haben, die "Meistersinger"-Dekoration abzubauen. Ein letztes Ade für eine zwar viel geliebte, aber in ihrer aufgesetzten Munterkeit mittlerweile doch sehr altfränk'sche Aufführung. Höchste Zeit also für Neues.</P><P><BR> </P>

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