Leuchtende Farben in dicken Schichten

München - Skulpturen der Antike sind dem Betrachter heute fast ausschließlich im Naturton von Stein, Bronze oder Terrakotta vertraut. Das damalige Schwelgen in Farbe kann man sich kaum noch vorstellen.

Das Münchner Museum für Abgüsse Klassischer Bildwerke schafft Abhilfe: In einer Sonderausstellung anlässlich der Olympischen Spiele in Peking sind farbige chinesische und griechische Plastiken im Vergleich zu sehen.

Unter dem Titel "Begegnung in bunt" werden bemalte Abgüsse von Teilen des Istanbuler Alexandersarkophags (um 320 v. Chr.) sowie Kopien von Kriegern aus der berühmten Terrakotta-Armee präsentiert. Die Plastiken sind Ergebnisse aus laufenden Forschungsprojekten. Bayerische Wissenschaftler vom Lehrstuhl für Restaurierungswissenschaft helfen seit vielen Jahren ihren Kollegen in China, die Terrakotta-Figuren zu erhalten. Seit 2003 ist die Erforschung der Farbfassung ein Schwerpunkt.

China und Griechenland waren in der Antike nur durch lockere Kontakte verbunden, haben freilich sehr unterschiedliche Skulpturen hinterlassen. Trotz aller Unterschiede gibt es verblüffende Ähnlichkeiten: leuchtende Farben in dicken Schichten aufgetragen und in erstaunlichen Kombinationen arrangiert, eine Liebe zu feinen komplizierten Mustern und ein detailreicher Realismus. Letzteres fasziniert beim überlebensgroßen Terrakotta-Bogenschützen am meisten: die winzigen Striche der Augenbrauen- und Schnurbarthaare, die feinen Pickelchen und Äderchen im Gesicht. Sein "Kollege" General, ebenfalls überlebensgroß, trägt unter seinem Panzer kunstvoll gewebte Kleidung, zu erkennen sind stilisierte mintgrüne Vogelpaare mit Sonnen und geometrische Formen.

Bemerkenswert ist auch, dass sich Maltechnik und -material in beiden Kulturen ähneln. Schattierungen und Glanzlichter verstärken die Plastizität. Die Naturpigmente wurden gerieben und gewaschen, um intensiv zu wirken. Besonders bei gelben und roten Ocker-Erden erforderte dies einen hohen Aufwand. Bunte Begegnungen also, wohin man in der Ausstellung blickt - eine Bereicherung für jeden, der Freude an Skulpturen hat. 

Bis 29. August,

Meiserstraße 10, werktags 10 bis 20 Uhr.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Die Fantastischen Vier in der Oly-Halle: Mit fantastischen Grüßen
München - Wer das Wort „fantastisch“ im Namen führt und auszieht, sein Best-of unters Volk zu bringen, der hängt die Messlatte hoch. Die Fantastischen Vier erfüllen den …
Die Fantastischen Vier in der Oly-Halle: Mit fantastischen Grüßen
Im Reich von Mode und Magie
Zürich - Spätestens seit dem Terroristen-Epos „Carlos“ ist der französische Filmemacher Olivier Assayas auch deutschen Kinofans ein Begriff. Sein preisgekröntes Drama …
Im Reich von Mode und Magie
Mordmotor mit Unwucht
Andreas Kriegenburg inszenierte William Shakespeares „Macbeth“ fürs Münchner Residenztheater
Mordmotor mit Unwucht
Hansi Kraus im Interview: „Wurde von meiner Familie betrogen“
München - Hansi Kraus ist der ewige Lausbub - auch, weil er diesen in Ludwig Thomas Lausbubengeschichten verkörpert. Im Interview spricht Kraus auch über die …
Hansi Kraus im Interview: „Wurde von meiner Familie betrogen“

Kommentare