Leuchtet München?

- Vom Gedanken zur Hand zum Auge in den Mund: Der Dichter schreibt, um gelesen zu werden, doch liest er sich selbst, ist dies ein besonderes Ereignis. Nicht weniger als 30 Autoren, Münchner zumeist, ergreifen an diesem Abend auf dem Podest des Münchner Lyrik Kabinetts das eigene Wort. Sie kommen mit Zetteln und Manuskripten, sie falten Mappen auf oder reißen die Folie von ihren druckfrischen Bänden. Sie lesen Lyrik, Prosa, Altes, Neues, Ernstes, Lustiges, rhythmisch, melodisch. So demonstrieren sie. 30 Mal fünf Minuten. Ohne Schilder, ohne Parolen, ohne Randale. Der Abend ist ein Protest des puren Wortes.

"Ich sehe das Literaturblatt viel häufiger als die Frauenkirche", so der Autor Hans Pleschinski. Noch liegt es stets auf seinem Küchentisch, doch die Dezember/Januar-Ausgabe könnte die letzte sein. München, das sich rühmt, die zweitgrößte Verlagsstadt der Welt zu sein, will sich künftig seine monatliche Veranstaltungsübersicht rund um die Literatur sparen (wir berichteten). Und was dann?, wird an diesem Abend im Lyrik-Kabinett gefragt: ohne Info keine Besucher, ohne Besucher keine Lesungen.

"Leuchtet München?" Zumindest für die vier Stunden dieses Autorenfestes kann man aus vollster Überzeugung antworten: ja. Bekannte Schriftsteller wie Friedrich Ani oder Albert Ostermaier, Barbara Bronnen oder SAID sind hier genauso vertreten wie Stipendiaten der Villa Waldberta: Der Ägypter Ahmed Bekheet schmunzelt, ein Gedicht benötige keine Übersetzung, bevor er ansetzt zu einer wunderbaren arabischen Sprachmelodie.

Das Literaturblatt soll - nun unabhängig vom Kulturreferat - in der Zusammenführung mit dem Wissenschaftsblatt sowie einem Internetauftritt weiterleben. Verlage und Stadt und mögliche Sponsoren müssten sich jeweils zu einem Drittel an der Finanzierung beteiligen. Doch die Stadträte haben bereits abgelehnt. Nun setzten die Veranstalter des Abends, Ursula Haeusgen und Johan de Blank, auf OB Christian Ude. Verschiedene Verlage sowie der Schriftstellerverband haben ihre Unterstützung hingegen schon zugesichert, aber auch Spenden zur Gründung des gemeinnützigen Vereins "Literaturblatt München" sind gefragt.

Damit am Ende nicht auch das Literaturblatt in der Kolumne Georg M. Oswalds erscheint: über "Sachen, die einfach weg sind" und nun schmerzlich fehlen.

Infos: 089/ 34 62 99.

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