Liane Issakadze: Mit dem Nachwuchs aufs Schiff

- Zuletzt erlebten die Münchner Liane Issakadze vor zehn Jahren. Damals feierte die georgische Meister-Geigerin ihren 50. Geburtstag. Jetzt ist es wieder soweit: Zusammen mit ihrem Orchester und Weltstars wie ihrem jungen Geigen-Kollegen Maxim Vengerov, dem Cellisten Ivan Monighetti und ihrem Landsmann Paata Burchuladze feiert sie morgen Mittwoch, 20 Uhr, Geburtstag im Herkulessal.

Auf dem Programm stehen neben Werken von Tschaikowsky, Haydn, Saint-Saëns, Rossini und Bernstein auch Bachs Doppelkonzert (Issakadze/ Vengerov) und eine ihr gewidmete Uraufführung von Tamara Ibragimova.

Vor 16 Jahren kam Liane Issakadze nach Deutschland ­- nicht allein, sondern mit dem Staatlichen Georgischen Kammerorchester: "Ingolstadt, Audi und der Freistaat Bayern gaben mir die Gelegenheit, das Orchester vor dem Bürgerkrieg zu retten. Das werde ich nie vergessen." Von 1990 an tourte die Geigerin mit dem renommierten Ensemble durch die ganze Welt, war "Dirigentin, Solistin, Unternehmerin, Mutter und Dolmetscherin".

Liane Issakadze gab diesen aufreibenden Multi-Job 1996 auf und musiziert seither mit ihrem eigenen Ensemble. "Die 20 Streicher kommen von den BR-Symphonikern, den Münchner und Berliner Philharmonikern und aus dem Georgischen Kammerorchester. Der Konzertmeister spielt in gleicher Funktion beim London Symphony Orchestra." Wenn Issakadze, ehemals Schülerin des legendären David Oistrach, sie zu speziellen Projekten bittet, sind sie zur Stelle. So auch zur Münchner Geburtstagsfeier.

Der Name der Geigerin, die Oistrach als Zehnjährige "Das Wunder aus Georgien" nannte und später in Moskau sieben Jahre lang unterrichtete, ist mit vielerlei Aktivitäten verbunden. "In Ingolstadt wurde auf meine Initiative hin eine Oistrach-Akademie gegründet. Und in St. Petersburg nannte man einen Wettbewerb nach mir. Mein Gott, ich bin doch noch gar nicht tot...", lacht die Musikerin. Fürs nächste Jahr organisiert sie den zweiten Wettbewerb ­ einmal anders: "Die beiden ersten Runden werden auf einem Schiff ausgetragen. Dort haben die jungen Musiker zwanglosen Kontakt mit den Jury-Mitgliedern. Sie sollen gemeinsam Freude haben, die Aspiranten sollen nicht 50 Prozent ihres Talents wegen der Aufregung und des Lampenfiebers einbüßen."

Auch wenn Liane Issakadze nur gelegentlich Meisterkurse gegeben hat und nicht als Professorin wirkt ("Der Kontakt zu Schülern wird bei mir schnell zur erdrückenden Verantwortung") engagiert sie sich für den Nachwuchs. An ihrem Lehrer Oistrach bewunderte sie die "Menschlichkeit und Bescheidenheit, sein Leben in einer geistigen Welt". Geprägt davon möchte sie eine weitere Akademie gründen, in der junge, begabte Musiker auch von Philosophen und Religionsphilosophen unterrichtet werden sollen. "Natürlich werden unterschiedliche Religionen vertreten sein. Und vielleicht wäre Südfrankreich der richtige, neutrale Platz dafür."

Nicht nur, weil die Geigerin, die neben Wohnsitzen in Georgien, Moskau und München auch ein Haus in der Provence hat, sondern auch weil sie 2007 ein Künstler-Lager in Südfrankreich initiiert. "Ich bin eine Idealistin", bekennt Liane Issakadze, die es heute bereut, dass sie vor 15 Jahren eine Dirigier-Einladung der Berliner Philharmoniker ausschlug. Aber dennoch glücklich ist, wenn sie nur ihre Geige hat.

Das Konzert wurde von der Philharmonie in den Herkulessaal verlegt (20.30 Uhr).

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