Das Textilfragment (8. bis 4. Jh. v. Chr.), bei Hallstatt gefunden, stammt aus Wiens Naturhistorischem Museum.

„Im Licht des Südens“: Farbe macht die Herrin aus 

München - Die Ausstellung „Im Licht des Südens“ füllt derzeit fast die gesamte Archäologische Staatssammlung München aus und erzählt von der „Begegnung antiker Kulturen zwischen Mittelmeer und Zentraleuropa“ – ob es nun um Handel, Gottheiten oder Technik geht. Der Münchner Merkur ist Medienpartner und hebt in loser Folge bestimmte Aspekte der Schau hervor.

„Im Licht des Südens“ werden unter anderem auch zahlreiche Pflanzen gezeigt, die die Römer nicht nur in der Küche, sondern auch in der Stoffverarbeitung als Färbemittel benutzten. Im Rahmen dieser Exposition sind wir einigen Geheimnissen der Färberkunst und der Stoffherstellung auf den Grund gegangen. Die Farben waren teuer, da die Farbstoffe meist importiert werden mussten. Safran aus Persien färbte gelb, Färberwaid oder Indigo aus Westasien blau, Petersilie von den Kanarischen Inseln grün – natürlich nur, wenn man die Pflanzen pfundweise verwendete. Am teuersten war der Purpur. Er wurde aus Purpurschnecken gewonnen und ursprünglich von den Phöniziern aus Tyros eingeführt. 100 Gramm Purpur kosten heute bei den modernen Produktionsmethoden immer noch etwa 1400 Euro. In der Antike wurde der Farbstoff zweifach mit Gold aufgewogen und teils noch teurer bezahlt. Deshalb verwendete man den mit Purpur gefärbten Stoff auch nur als Streifen an der Toga.

Für den patrizischen Adel gab es den breiten Streifen mit etwa vier Zentimeter Breite (sogenannte toga laticlavia), für den plebejischen Adel den dünnen Streifen mit circa eineinhalb Zentimetern (sogenannte toga angusticlavia). Einen ganzen Mantel (circa fünf Meter Stoff) oder gar eine ganze Toga (circa sieben Meter) in Purpur einzufärben, wäre purer Luxus gewesen, der schon vom Gesetz her strafbar war. Mehrmals brachte man in Notzeiten im Senat Gesetze gegen Verschwendungssucht ein, und dazu gehörte neben dem geschmähten Import von Teppichen aus dem Orient vor allem ein zu opulenter Umgang mit Farben in der Kleidung sowie das Zeigen von zu auffälligem Schmuck. Doch jedes Mal wurden die Vorschriften mit der Zeit aufgeweicht – insbesondere in der Frauenkleidung. An der Intensität der Kleiderfarben waren Herrinnen und Sklavinnen leicht zu unterscheiden. Wer sich’s leisten konnte – und das war nur die dünne Oberschicht –, trug die Farbe leuchtend. Mätressen (sofern diese überhaupt ein Kleid brauchten) bevorzugten Pastelltöne wie Hellblau oder Hellrosa, weil das billiger war, man brauchte nicht so viel Farbstoffe dafür. Bei Sklavinnen blieb der Stoff naturfarben. Das höchste der Gefühle war für sie ein in zerstoßenen Eierschalen oder zermahlener Baumrinde gefärbter brauner Stoff.

Auch weißer Stoff – man bleichte mit Urin, den man in der Antike übrigens auch als Zahnputzmittel verwendete – war teuer. Weiße Kleidung trugen meist nur Amtsbewerber bei ihrer Kadidatur (benannt nach der toga candida), die im Wahlkampf ihre „weiße Weste“ äußerlich dokumentieren wollten. Schwarz dagegen war in der Antike eine Un-Farbe, die so gut wie gar nicht vorkam, obwohl uns dies Sandalenfilme aus Hollywood und der Cinecittà Roms immer glauben machen wollen. Zu sehr muss die Nähe zu Ruß und Schmutz die Römer abgeschreckt haben. Schwarz und dreckig wurden die Kleider von alleine.

Die kostbarsten Stoffe wurden ebenfalls importiert. Baumwollstoffe kamen aus Ägypten, Leinen ebenso. Ziegen- und Schafwollstoffe wurden meist aus Griechenland importiert, manchmal kaufte man zum Verspinnen und Weben der Wolle griechische Sklavinnen. Aus dem Norden wurden Reisedecken und dicke Wollstoffe eingeführt. So ist in der Ausstellung ein Stück von einem grün-braun karierten Stoff zu sehen, der in Hallstatt gefunden wurde und sich – bei Textilien eine große Seltenheit – bis heute erhalten hat. Der Rest belegt, dass man bereits damals die Kunst beherrschte, Stoffe aus verschieden gefärbten Fäden zu weben, um damit Muster zu erzeugen. Ansonsten stammt unser Wissen über die Verwendung von Farben und die Kleidermode in der Antike meist aus Wandmalereien oder Farbresten von antiken Statuen wie der „Herrin der Tiere“.

Hildegard Lorenz

Bis 27. Mai: Di.-Sa. 9.30-17 Uhr, So. 10-18 Uhr; 089/21 12 44 68.

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