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Michael Verhoeven, Regisseur aus München.

Regisseur Verhoeven im Interview

Lichterkette der Muslime

München - Eine Stadt im Zeichen des Friedens, 15.000 beteiligten sich am Montagabend bei der Lichterkette. Der Münchner Regisseur Michael Verhoeven spricht im Merkur-Interview über Antisemitismus und Angst vor dem Islam.

Der Münchner Regisseur Michael Verhoeven (76) gilt als einer der wichtigsten Regisseure Deutschlands, wenn nicht Europas. Seine Stimme hat auch moralisch Gewicht, weil seine Filme immer historische, politische und soziale Probleme ansprechen („Die weiße Rose“, „Das schreckliche Mädchen“). Sein Film „Let’s go!“ um die Frage einer jüdischen Identität läuft gerade auf dem Festival des jüdischen Films in New York.

Die Vereinten Nationen haben jetzt Europa kritisiert, weil der Antisemitismus wieder zunehme. Das Thema war oft Gegenstand Ihrer Arbeit. Sehen Sie auch, dass der Hass auf Juden größer wird?

In meinem eigenen Leben sehe ich das nicht, aber ich bin auch subjektiv und nicht jemand, der das wissenschaftlich untersucht. Ich lese Zeitung und ich vertraue darauf, was ich da lese. Wir beobachten seit Jahren, dass es gerade in der linken Szene ein gewisses Verständnis für Antisemitismus gibt. Bei der Ablehnung der Politik des Staates Israels scheint einigen dann nicht mehr die feine Unterscheidung zwischen Kritik an einem jüdischen Staat und Antisemitismus zu gelingen. Der Grund ist ein latenter Antiamerikanismus in der linken Szene in Deutschland. Und da wird Israel abgelehnt, weil die USA die Schutzmacht der Politik Israels zumindest bis heute waren.

Wird die Kluft zwischen Religionen, zwischen Kulturen größer?

Nach den furchtbaren Ereignissen, zuletzt in Paris, ist eine Angst vor allem Fremden entstanden. Das betrifft auch den Islam, obwohl sich die Angst eigentlich gegen die Islamisten richtet. Es ist schade, dass das jetzt zu einem gewissen Teil alle Muslime ausbaden müssen, indem viele ihnen nun mit Argwohn begegnen.

Was kann man tun?

Ich sehe auch die Muslime selbst in der Pflicht. Sie müssen aufstehen und klar sagen, dass das, was die Islamisten da tun, nichts mit dem Koran zu tun habe. Dabei hat es doch sehr viel mit dem Koran zu tun, aber der ist ja ähnlich wie die Bibel auslegbar. Die ganzen Grausamkeiten, die man im Koran findet, die stehen auch in der Bibel. Nur wir haben uns durch die Aufklärung davon distanziert. Ich glaube schon, dass es in erster Linie die Aufgabe der Muslime ist, dafür zu sorgen, dass man keine Angst vor dem Islam haben muss. Es waren Muslime, die im Namen des Islam diese furchtbaren Taten begangen haben.

Wünschen Sie sich eine muslimische Lichterkette? So ähnlich wie die der Deutschen nach den Anschlägen von Neonazis vor zwei Jahrzehnten oder jetzt in München gegen Pegida?

Ja, warum nicht. Das wäre nur ein Symbol. Aber es wäre immerhin ein Symbol. Wenn ich ein Muslim wäre, würde ich mich doch bemühen zu verstehen, woher die Angst kommt. Da gibt es doch auch Ursachen bei den Muslimen selbst. Als man vor dem RAF-Terrorismus zitterte, hatte niemand Angst vor „den Deutschen“, sondern nur vor den Extremisten. Das sollte ebenso für die Muslime gelten; in der Wahrnehmung ist das aber anders. Da müssen sich die Muslime mehr von den Extremisten distanzieren.

Haben Sie selbst Angst?

Angst vielleicht nicht, aber gemischte Gefühle. Und ich frage mich schon, wenn ich manchmal irgendwo unterwegs bin, ob hier vielleicht eine Bombe hochgehen könnte. Die Auswahl der Opfer ist schließlich wahllos und es trifft völlig Unbeteiligte.

Das Gespräch führte Chris Melzer.

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