Liebe zum Cello

- Es gibt Werke, die bestimmten Instrumenten eine Solo-Position einräumen, doch wenn man sie denn hört, fragt man sich, welche Dominanz kommt ihnen eigentlich zu? So geschehen im jüngsten Sonderkonzert des Symphonieorchesters des BR im Herkulessaal, das dem Gedenken zum 200. Todestag von Luigi Boccherini (1743-1805) gewidmet war.

In seiner Sinfonia concertante für Gitarre, zwei Violinen und Violoncello in C-Dur, G 523 schien Boccherini Freude daran gehabt zu haben, dem satten Spiel der Streicher und vor allem dem Fagott und den beiden Oboen mehr Raum zu verschaffen. Die Gitarre, ohnehin Exot im Ensemble, verblasste ziemlich.

Für Solist Eliot Fisk eine nicht gerade dankbare Aufgabe. Wen-Sinn Yang war da zweifellos in Boccherinis anschließendem Cellokonzert G 483 mit einem Werk ganz anderen Kalibers gesegnet, das er mit wunderbar souveräner Technik präsentierte. Dafür gefeiert, schob er einen kleinen Exkurs über Boccherini und dessen Cello-Sonaten-Werkpflege im 19. Jahrhundert nach. Dafür machte sich einst Cellist Alfredo Piatti stark. Als Zugabe kündigte Wen-Sinn Yang denn Piattis Caprice "Niobe" als Opernparaphrase ohne tieferen Anspruch an, die einzig als Ausdruck der Freunde und instrumentaler Virtuosität verstanden werden soll. Gespielt hat er sie allerdings mit hoher Intensität und Brillanz.

Ans Dirigentenpult hatten die BR-Symphoniker den Alte-Musik-Szene-Spezialisten Reinhard Goebel geholt. Herrlich nuanciert folgten unter seiner Leitung schließlich noch Mozarts Chaconne aus der Ballettmusik zu "Idomeneo" , KV 367, und Antonio Salieris 26 Variationen über "La follia di Spagna". Dass das Orchester durchaus Freude an den Details einer anderen Aufführungspraxis hat, etwa mit seinen raffinierten Verzierungen, machte das Konzert zu einem außergewöhnlichen Klangerlebnis.

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