Ich liebe dich, Papa

- Die Jungen und die Junggebliebenen haben sie wieder entdeckt: die 60er-Jahre. Ihre Wiedergeburt erleben sie derzeit in der Mode, im Design, auch in der Musik, und da passt die kurze Deutschlandtour der ehemaligen Stil- und Popikone Nancy Sinatra gut ins Konzept. In den 60ern feierte die Tochter Frank Sinatras den Höhepunkt ihrer Karriere. Danach zog sie sich 1970 zurück, wurde Hausfrau und Mutter. Sie war das Vorbild für junge und unabhängige Frauen und beeinflusste Stars wie Madonna, Patti Smith, Sheryl Crow und Avril Levigne.

Einen kleinen Comeback-Versuch wagte Nancy Sinatra 1995. Und inzwischen schreiben auch Musiker der jungen Generation wie Jon Spencer, U 2 oder Jarvis Cocker für sie.<BR><BR>Knapp 40 Jahre nach ihrem Karrierebeginn startet die 64-Jährige noch mal durch und präsentierte sich nach Hamburg, Ludwigshafen und Berlin im Münchner Herkulessaal. Nicht unbedingt die passende Umgebung für Songs, die zwischen Kaugummi-Pop, Rock, Blues und Easy-Listening-Country angesiedelt sind. Schlecht beraten war sie mit der Vorgruppe um Gitarrist und Sänger Richard Hawley. Eine gute halbe Stunde verbreitete er, trotz sonorem, dunklem Timbre, mit seiner Band trostlose Endzeit-Partyatmosphäre.<BR><BR>Nach einer Stunde erschien endlich die Frau, die für ultraknappe Miniröcke und sexy Stiefel bekannt war, in schwarzer, enger Hose, Bluse, Westernfransenjacke und mit gestylter weißblonder Langhaarfrisur. Zweifellos kann sie singen, doch ihr gut einstündiger Auftritt, war, begleitet von einer neunköpfigen Band, eine schlichte Aneinanderreihung ihrer Hits wie "Bang, Bang" oder "60 Minute Man". An Show war nicht zu denken.<BR><BR>"Something Stupid", mit Papa Frank vom Band eingespielt, ließ sie am Ende ein etwas kindlich-naives "Ich liebe dich auch, Papa" folgen. Und schließlich sang sie, von allen ersehnt "These boots are made for walking", den Song ihres Mentors Lee Hazlewood. Der Herkulessaal als Rock-Arena - das hatte schon Seltenheitswert.<BR>

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