Liebe und Einsamkeit

- Um Karten für ein Konzert mit dem russischen Bariton Dmitri Hvorostovsky zu bekommen, musste man vor ein paar Jahren schnell reagieren. Erschreckend, zugleich exemplarisch für die wirtschaftlich angespannte Situation - nicht nur im Münchner Kulturbetrieb - ist, dass sich für sein jüngstes Konzert im Herkulessaal nur die Hälfte der Plätze verkaufen ließ.

<P>Dabei gastierte er mit einem attraktiven Programm aus Arien-Highlights von Händel, Gluck, Bellini und Mozart sowie russischen Romanzen und neapolitanischen Liedern. Begleitet wurde er vom Moskauer Kammerorchester unter der energisch-väterlich wirkenden Leitung von Constantine Orbelian. Mit Boccherinis d-moll Sinfonie "La casa del diavolo" führte sich das Orchester gleich zu Anfang als subtil agierender Klangkörper ein, der ein bewundernswürdiges Gespür für Dynamik und Dramatik hat.</P><P>Hvorostovsky begann seinen Arienreigen ruhig und innig mit "Ombra mai fu" aus Händels "Xerxes". Kraft, kernige Tiefe und ein schönes Legato führte er in "Or dove fuggo io mai" aus Bellinis "I puritani" vor. Äußerst lyrisch gelang ihm die Canzonetta "Deh, vieni alla finestra" aus Mozarts "Don Giovanni", der er in halsbrecherischem Tempo die Champagner-Arie folgen ließ.</P><P>Seine Vielseitigkeit unterstrich Hvorostovsky mit hierzulande wenig bekannten, melancholischen Liedern seiner Heimat. Sie erzählen von herzzerreißender Liebe, Trennung und Einsamkeit. Interessant hier das um Mandolinen und Balalaika erweiterte Orchester. Mit tiefem warmen Timbre präsentierte Hvorostovsky das Italo-Repertoire. Gelassenheit und Natürlichkeit sind es, die seine sympathische Bühnenpräsenz ausmachen und die das Publikum zu Ovationen hinreißen. Nach der dritten Zugabe beschließt er für sich, seine Stimme zu schonen.</P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Zum Tod von Jerry Lewis: Amerikas trauriger Clown
Zeit seines Lebens hat Jerry Lewis die Menschen zum Lachen gebracht. Diese Fähigkeit schien ihm angeboren zu sein. Dabei durchlebt auch der Komiker schwarze Stunden.
Zum Tod von Jerry Lewis: Amerikas trauriger Clown
Albträume im La-Le-Lulu-Land
Die griechische Filmemacherin Athina Rachel Tsangari hat zum ersten Mal am Theater gearbeitet und für die Salzburger Festspiele in Hallein Frank Wedekinds „Lulu“ …
Albträume im La-Le-Lulu-Land
Arena di Verona: Auferstehen aus Ruinen
Die Arena di Verona kämpft mit Affären und Finanznot. Hilfe verspricht man sich von einem Sanierungsplan - und einer Uralt-„Aida“.
Arena di Verona: Auferstehen aus Ruinen
„Ein Hoch auf uns – Warum?“
Er ist Kapitän der Rockband Eisbrecher, deren neues Album „Sturmfahrt“ jetzt erscheint. Wir sprachen mit Alexander Wesselsky über die neue Platte, billiges Fleisch und …
„Ein Hoch auf uns – Warum?“

Kommentare