Liebe im Herbst

- Natürlich bekam Uschi Glas einen Auftrittsapplaus - herzlicher Willkommensgruß in der dicht besetzten Münchner Komödie im Bayerischen Hof, der ihr nach jahrzehntelanger Theaterpause sicher gut getan hat. Im selben Haus war sie zuletzt 1985 in "Mittagsstunde" unter der Regie von Horst Sachtleben zu sehen. Und mit demselben umsichtigen Regisseur und einem Vollblutschauspieler wie Michael Hinz als Partner konnte jetzt ja auch nichts schief gehen. In dieser Dreierkonstellation wurde US-Autor Richard Baers "Vermischte Gefühle" zu einem Feinschliff-Boulevard über eine hinreißend hartnäckig eroberte "Liebe im Herbst".

Christine, seit einem Jahr verwitwet, will in Florenz ganz neu starten. In das Durcheinander von Umzugskartons platzt Hermann, der beste Freund ihres Erich selig, und bringt sie mit einem Heiratsantrag aus der Fassung: Hermann und seine ebenfalls schon verstorbene Ilse waren auch für Christine die besten Freunde. Kameradschaft ja. Aber jetzt Liebe, Ehe, Sex? Wo sie auch schon alle seine Macken kennt! Gerade das sei die beste Voraussetzung für eine Heirat, meint Hermann, und listet noch den ökonomischen Faktor und die brachliegenden biologischen Bedürfnisse auf - ganz nüchtern kalkulierender Firmenchef, der auch bei Christines wiederholtem "Nein" immer wieder neuen Anlauf nimmt.

Umzug mit Hindernissen

Von der Psychologie her (Baer hat's in Yale studiert) ist das gut gesponnen. Aber viel dramatische Spannung ist da nicht. Die muss hier eben der Schauspieler herstellen. Und wie Michael Hinz das kann! Unmittelbar in der Sprache selbst und grandios Pointen setzend nur mit einem Blick, einem Gesichtsausdruck. Aus seinem schusseligen, nervend buchhalterischen Hermann holt er allmählich den fürsorglichen hervor und den immer noch verführerischen Charmeur, in dessen Tänzerarmen Christine schließlich hinschmilzt.

Uschi Glas lief bei einem solchen Partner (sympathisch witzige Hänger auch bei ihm zu Beginn) bald zu Hochform auf. Eine Augenweide sowieso in auf ihre beneidenswert jugendliche Figur maßgeschneiderter, unauffälliger Eleganz (Designerin: Gabriele Blachnik), in Crèmefarben, die Thomas Pekny in seinem Bühnenbild aufgenommen hat. Immer wieder Störenfriede bei Hermanns Eroberungsstrategien: die Möbelpacker Christoph Schlemmer und der so schön zwiderwurzig norddeutschelnde Rolf Kuhsiek.

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