Liebe und Krieg

- Als 1633 die Pest kam, wussten die Oberammergauer sich zu helfen: Sie gelobten, fortan alle zehn Jahre im Passionsspiel Jesu Leiden zu gedenken, sofern Gott ihnen helfe. Das Abkommen funktionierte, die Pest ging und die Passionsspiele standen von nun an vor der Tür.

<P class=MsoNormal>2004 kam die Flut nach Südostasien, und nun helfen ihrerseits die Oberammergauer den Opfern einer Katastrophe - mit einer Spendenaktion für ein zerstörtes Fischerdorf in Südindien. Vom nächsten Jahr an wird ein Anteil der Einnahmen jeder Veranstaltung im Passionstheater dem Hilfsprojekt zugute kommen.</P><P class=MsoNormal>Angesichts eines solchen Engagements in Geschichte und Gegenwart des Theaters ist es kein Zufall, dass Passionsspielintendant Christian Stückl den Steinschleuderkampf gegen das vermeintlich Übermächtige nun auch bildlich auf die Bühne bringt: In diesem Sommer, auf halbem Weg zur Passion 2010, inszeniert er in einer Benefizveranstaltung den "König David". Zuletzt wurde der in Oberammergau vor 100 Jahren gespielt, mit einem 600 Darsteller starken Ensemble. Erzählt wird die Geschichte der, so Stückl, "größten jüdischen Gestalt des Alten Testaments", das Wunder der Königwerdung des Schafhirten David - von der Verwerfung Sauls durch den Propheten Samuel über den Kampf gegen den Riesen Goliath bis hin zu Davids Krönung. "Eine Geschichte über Eifersucht und Liebe, Tod und Krieg, Scheitern und Schuld."</P><P class=MsoNormal>Und erzählt wird mit passionsbewährten Mitteln: über 400 Oberammergauer, allen voran Anton Burkhart als König David (bei den Passionsspielen 2000 der Jesus-Darsteller) und Stückls Vater in der Widersacher-Rolle des Königs Saul. Bühne und Kostüme auch hier wieder von Stefan Hageneier, dem Ausstattungsleiter des Bayerischen Staatsschauspiels, dazu reichlich Musik von Markus Zwink - in Eigenkomposition. Beim Text für den etwa dreistündigen Abend schöpft Christian Stückl aus den Jahrhundertwende-Vorlagen Reinhard Johannes Sorges und Richard Beer Hoffmanns sowie aus der originalen Fassung von 1905.</P><P class=MsoNormal>Pest, Flut und Goliath - gerade haben die Proben zu Stückls "König David" begonnen, der ab 22. Juli zwischen einer "Elektra" mit den Wiener Philharmonikern, einer "Aida" und einer "Zauberflöte" gegen das große Böse kämpfen wird. Immer ein Jahr vor den Passionsspielen ließen sich die Oberammergauer für ihre Rollen die Haare wachsen, lacht Stückl, "ein Dorf von lauter Gammlern". Mag sein, dass sich dieses Phänomen von jetzt an gar im Fünf-Jahres-Rhythmus beobachten lässt. </P>Aufführungen: 22., 23., 29., 30. Juli, 5., 6., 12., 13. August. Karten: 08822/ 92 31 58. Info: www.koenig-david.de.

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