Liebe, Leidenschaft und Stimme

Andrea Bocellis neue CD "Incanto" erscheint im Oktober. Am 22. September wird er 50 Jahre alt. Zwei Anlässe zum Gespräch (in seinem Haus am Meer in Forte dei Marmi) mit dem Sänger, der im Alter von zwölf erblindete.

1996 gelang ihm in Deutschland der Durchbruch: Er sang bei Henry Maskes Abschiedskampf "Time to Say Goodbay". Mit über 55 Millionen verkauften CD ist Bocelli einer der populärsten Sänger.

Sie sind von Kind an musikbegeistert gewesen, haben diverse Instrumente gespielt. Nach der Schule studierten Sie Jura. Wann haben Sie sich entschlossen, Sänger zu werden?

Im Prinzip von Anfang an. Mein Vater hat mir jedoch geraten, mich auch um meine Zukunft zu kümmern, und so habe ich erst Jura studiert, denn von Musik zu leben ist ein Traum, der vielen gefällt, aber nur wenigen gelingt. Sobald ich es mir leisten konnte, habe ich ihn mir verwirklicht.

Sie sind 1992 mehr oder weniger von Adelmo Fornaciari, besser bekannt als "Zucchero", entdeckt worden. Über ihn trafen Sie Luciano Pavarotti.

Für mich war es eine unvergessliche Begegnung, vor allem auch mit Luciano, mit dem mich eine tiefe musikalische Freundschaft verband.

In Kürze erscheint Ihr neues Album "Incanto".

Das Projekt ist so etwas wie die Verwirklichung eines Kindheitstraums. Ich habe immer die klassische Oper geliebt, aber eben auch, wie alle großen Tenöre - von Gigli über Caruso und Di Stefano bis Corelli - die Volkslieder, insbesondere die neapolitanischer Herkunft. Für "Incanto" habe ich die Weisen und Lieder zusammengestellt, die ich schon immer gehört und gesungen habe. Als Tenor liebe ich diese Melodien, weil ich mich in diesem Repertoire ganz frei fühlen kann: Frei, zu singen, so wie es mir gefällt, weil diese "Canzoni Popolari" mir die Möglichkeit geben, aus dem strengen Gerüst der Opernpartitur ein wenig auszubrechen.

Sie erwähnen immer wieder Neapel.

Neapel ist eine wunderbare Stadt mit vielen Kontrasten, die Emotionen schüren. Für mich ist sie die Stadt der Melodie, die Heimat der großen Stimmen, allen voran der von Enrico Caruso.

Was soll "Incanto" vermitteln?

Es ist keine richtige Botschaft. Es sind drei Elemente entscheidend: Liebe, Leidenschaft und Stimme. Ich hoffe, dass das Publikum sich amüsiert. Mir hat es Spaß gemacht, das Album zu machen.

Ihre Fans interessiert auch der Mann hinter der Musik.

Meine Karriere hat mich leider "entführt" und lässt mir wenig Freizeit übrig. Pferdezucht war eine meiner großen Leidenschaften. Ich bin lange Zeit jeden Tag geritten. Das ist nicht mehr möglich. Wenn ich zu Hause bin, versuche ich, vor allem viel am Meer zu sein. Ich liebe das Meer und auch alle damit verbundenen Sportarten: Schwimmen, Wasserski und Windsurfing. Außerdem lese ich sehr gerne - das ist glücklicherweise eins der wenigen Dinge, die man auch unterwegs machen kann.

Bleibt Ihnen da noch Zeit für Ihre Familie?

Ich versuche, soweit wie möglich für meine Familie und meine Freunde da zu sein. Wenn ich zu Hause bin, versammele ich immer viele Freunde um mich und organisiere dann gemeinsame Abendessen.

Sie sprachen von Ihrer Familie. Sie haben zwei Söhne, Amos und Matteo. Hat eines ihrer Kinder ihre Leidenschaft und Begabung geerbt?

Nein. Sie sind beide musikbegeistert und spielen Klavier. Ich für meinen Teil hoffe, dass die Musik beiden eine Lebensgefährtin bleibt.

Was haben Sie geplant? Kommen Sie auch nach Deutschland?

Abgesehen von meinem neuen Album, was mich noch sehr in Anspruch nehmen wird, werde ich im November in den USA die "Petite Messe Solennelle" unter Placido Domingo singen. Nächstes Jahr komme ich nach Deutschland. Die Direktorin der Deutschen Oper in Berlin hat mich eingeladen. Auf dem Programm steht "Cavalleria Rusticana". Ansonsten möchte ich weiter singen und glücklich sein.

Das Gespräch führte Katie Kahle.

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