Liebe zum Werk

- Siegfried Unseld ist in Frankfurt am Main beigesetzt worden. Zur Trauerfeier kamen etwa 800 Menschen, darunter viele Schriftsteller sowie Bundeskanzler Gerhard Schröder und die Kulturstaatsministerin Christina Weiss. Adolf Muschg erinnerte an Unselds Schaffen, in dem Leben und Verlegen ineinander übergegangen seien. Es sei ihm gelungen, unterschiedlichste Autoren und Themen im Nachkriegsdeutschland zusammenzubringen. Dabei habe er die Brüche dieser Zeit zwar nicht geheilt, "aber er hat sie lesbar gemacht". Amos Oz würdigte das Engagement des Verlegers für die Versöhnung zwischen Deutschen und Juden. "Ich habe gedacht, dass ich einem Deutschen zwar wieder die Hand schütteln, aber nicht mit ihm befreundet sein könne."

Adolf Muschg schrieb den Unseld-Nachfolgern drei Grundregeln ins Stammbuch: Verbundenheit mit den Autoren, Ehrfurcht vor der Geschichte und Liebe zum Werk. Der Schriftsteller sprach bei der Trauerfeier jedoch auch die Probleme Unselds an. Das Führen eines solchen Verlags sei nicht ohne familiäre Tragödien verlaufen, sagte er und sprach damit den Streit des Verlegers mit seinem Sohn Joachim an. Der zeigte sich auf der Beerdigung als neues Familienoberhaupt und begrüßte die Gäste. Ob der Sohn, der sich am Sterbebett mit seinem Vater versöhnt haben soll, Nachfolger wird, ist nicht abzusehen. Bislang soll eine Stiftung die Geschicke des Suhrkamp Verlags leiten.<BR>Am Grab Siegfried Unselds las Durs Grünbein das Hesse-Gedicht "Stufen": "Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden. Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!"<BR>

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