Lieber Figaro als Erzbischof

- Christoph Pütthoff hat schon als Schauspielschüler an der Münchner Theaterakademie einiges zu tun. Das Residenztheater hat den 24-Jährigen aus Oberhausen für "Die Wände", den "Kaufmann von Venedig" und "Titus Andronicus" verpflichtet, und einige Häuser zeigen Interesse an ihm. Seine erste große Rolle spielt er nun als Figaro in "Ein toller Tag" von Pierre Augustin Caron de Beaumarchais, das heute um 20.30 Uhr auf der Freilichtbühne im Innenhof der Alten Münze (bei schlechtem Wetter um 21 Uhr im Akademietheater des Prinzregententheaters) Premiere hat.

<P>Der Figaro ist Ihre erste Hauptrolle. Wie fühlt man sich da?<BR><BR>Pütthoff: Natürlich ist man nervös. Bei den anderen Produktionen waren es ja ganz kleine Rollen.<BR><BR>Regisseur Mario Holetzeck hat den revolutionären Gehalt auf ein paar flapsige Bemerkungen zurückgeschraubt. Ihr Figaro muss sich in erster Linie mit starken Frauen 'rumschlagen.<BR><BR>Pütthoff: Ich finde das einfach heutiger. Wir haben nicht mehr diese "Kuschfrauen", die zu allem Ja und Amen sagen. Obwohl: Auch bei Beaumarchais geht es ja drunter und drüber. Ich glaube, dass diese Frauen den Männern überlegen sind.<BR><BR>Finden Sie sich in diesem Figaro wieder?<BR><BR>Pütthoff: Natürlich sind da auch Parallelen. Wenn ich mir was einfallen lasse und es funktioniert nicht, bin ich verärgert. Ich bin genauso verliebt, wie der Figaro das sein kann, und will dafür alles geben. Und auch darin kann man ja scheitern.<BR><BR>Der Text ist gehörig verändert worden. Warum?<BR><BR>Pütthoff: Die Schwierigkeit bestand darin: Im dritten Jahr an der Theaterakademie macht man eigentlich Produktionen, bei denen die ganze Klasse dabei sein kann. In der Originalfassung ist es so, dass eigentlich der Graf, die Gräfin, Figaro und Suzanne den größten Part haben. Und da wäre das Ensemble einfach untergegangen. Mario Holetzeck und unsere Dramaturgin Gerda Marko haben gekürzt und Texte hinzugesetzt, damit ungefähr alle Rollen gleich behandelt werden.<BR><BR>Worauf wurde inhaltlich der Hauptakzent gelegt?<BR><BR>Pütthoff: "Auf jeden Fall sollte die Geschichte so, wie sie bei Beaumarchais geschrieben steht, auch 'rauskommen. Natürlich wurde das umgestellt und noch vieles 'reingesetzt. Marcelline und Bartolo zum Beispiel, der Geschlechterkampf zwischen Frauen und Männern. Wir wollten das Stück aufwerten. Darum haben wir auch das Ende ein bisschen anders gemacht.<BR><BR>Auf welche Weise?<BR><BR>Pütthoff: Basilio, der Musiklehrer dieser Hofgesellschaft, wird am Ende vom Grafen getötet, einfach, um die Machtposition des Grafen zu zeigen. Er ist der absolute Herrscher in diesem System.<BR><BR>Hat auch das schachbrettartige Bühnenbild etwas damit zu tun?<BR><BR>Pütthoff: Ja. Das Schachbrett und auch die Farbe der Figuren: Schwarz und Weiß für das jewelige Geschlecht. Aber die Stände sind noch erkennbar. Wir nutzen die Balkone in der "Alten Münze". Graf und Gräfin sind meist auf dem obersten Balkon. Sie kommen zwar auch auf die Bühne, aber es ist klar erkennbar, dass sie in der Hierarchie am höchsten stehen.<BR><BR>Es wird oft improvisiert.<BR><BR>Pütthoff: Mario legt großen Wert darauf, dass man ihm viel anbietet. Er ist auf keinen Fall ein Regisseur, der sagt: "Genau so will ich es haben." Er sieht sich den Schauspieler sehr genau an, sagt einem seine Meinung, und dann wird was anderes angeboten.<BR><BR>Wann ist bei Ihnen der Entschluss gefallen, auf die Schauspielschule gehen zu wollen?<BR><BR>Pütthoff: Ich glaube, ich wollte vom Uhrmacher bis zum Erzbischof alles machen. Als Kind besonders Jurist, wenn ich Gerichtssendungen angesehen habe. Da stehen und reden, vor Gericht verteidigen - das fand ich toll. Aber wenn's dann wirklich zur Sache geht, mit allen Konsequenzen, dann würde ich, glaube ich, den Schwanz einziehen. Da habe ich doch lieber die Verantwortung für eine Figur auf der Bühne.<BR></P><P>Das Interview führte Johannes Löhr<BR><BR></P>

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