Am liebsten g-moll

- "Viele meiner ersten kleinen Stücke stehen in dieser Tonart, weil ich Moll viel schöner fand als Dur. G-moll war meine Lieblingstonart, als ich anfing zu komponieren", amüsiert sich Cynthia Lee Wong heute. Kaum zu glauben, dass ihre Anfänge schon 16 Jahre zurückliegen, denn die lebhafte, zierliche Amerikanerin - mit den süd-chinesischen Wurzeln - ist gerade mal 22 Jahre alt.

<P>Vor zwei Jahren schon erhielt sie vom Bayerischen Rundfunk den Auftrag, ein Orchesterwerk für die musica viva zu schreiben. Heute erklingt es erstmals, musiziert vom BR-Symphonieorchester unter der Leitung von Paul Zukofsky (20 Uhr, Münchner Herkulessaal). Noch auf dem Programm stehen Adriana Hölszkys "Gemälde eines Erschlagenen" und Artur Schnabels dritte Symphonie.<BR><BR>Cynthia Lee Wong, die im Staat New York geboren wurde, erhielt wie ihre ältere Schwester mit sechs Jahren Klavierunterricht. Nichts Besonderes, zumal der Papa (von Beruf Computerfachmann) gern Klavier spielte und die Töchter derweil auf seinem Schoß hockten. Doch schon mit acht Jahren marschierte Cynthia zum Konservatorium, wo sie viel Spaß beim Improvisieren hatte. "Die Lehrerin erzählte uns kleine Geschichten, zum Beispiel von einer Katze, die eine Maus jagt, und wir machten die Musik dazu."<BR><BR>Es folgten Liedchen fürs Klavier, die g-moll-"Sonate" und schließlich, als sie elf Jahre alt war, ein g-moll Klavierkonzert. Mittlerweile wurde Cynthia Lee Wong von Larry Bell am New England Conservatory in Massachussetts unterrichtet. "Er war etwas strenger, und ich musste meine Musik jetzt auch ordentlich niederschreiben. Anfangs war alles tonal, dann entdeckte ich die Chromatik. Später lernte ich als Klavierspielerin - aber auch über das Hören - Prokofjew, Strawinsky, Bach, Beethoven, natürlich Chopin und schließlich Brahms' Symphonien kennen."<BR><BR>Mit knapp 18 Jahren entdeckte Cynthia Lee Wong den großen Kollegen György Ligeti und begann ihr Studium an der renommierten Juilliard School in New York City. Im kommenden Mai wird sie dort fertig sein. "Aber dann möchte ich noch meinen Doktor machen", lächelt die sympathische Musikerin, die schon auf Sommerfestivals in Spanien und Frankreich zu Gast war und in Moskau und St. Petersburg als Pianistin auch eigene Werke interpretierte.<BR><BR>Neue Techniken ausprobieren<BR><BR>"Three portraits" heißt ihr Orchesterwerk, das sie im Auftrag der musica viva komponierte. "Dunkle Farben prägen die drei Sätze. Der erste beginnt sehr still und langsam, mit einem Kanon in den<BR>Violinen. Der zweite Satz, im gleichen Tempo wie der erste, hat viele Melodien und soll etwas Zeitloses, Ewiges ausdrücken. Im dritten, schnelleren und dramatischeren folgen einander drei größer werdende Wellen."<BR><BR>Auch wenn Cynthia Lee Wong es liebt, für großes Orchester zu schreiben, mit Farben und Formen zu spielen, wird sie jetzt erst mal wieder zur Kammermusik zurückkehren und neue Techniken ausprobieren. "Ich forciere meine Entwicklung nicht. Man muss langsam vorangehen, sich treu bleiben und seiner Stimme folgen." Das tut sie. Denn selbst wenn sie liest, Kunstwerke betrachtet oder mit Freunden diskutiert - "auf die eine oder andere Art kommt immer Musik dabei heraus."</P>

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