Am liebsten Mitbestimmung

- Wenn schon Volkstheater, warum dann nicht auch Volksabstimmung? Ausnahmsweise einmal nicht per Beifallklatschen nach der Vorstellung. Nein, per Mitsprache - vor der Premiere. Als demokratischer Akt sozusagen. Zur Übung hier ein paar Anregungen für Intendant Christian Stückl.

Erst vor wenigen Tagen hat er das Herz aller originalen und selbst ernannten Bajuwaren unter den Theatergängern erfreut mit seiner Ankündigung, Kurt Wilhelms "Brandner Kaspar" zu inszenieren. Die Rechte an diesem Stück musste das Volkstheater erst vom Bayerischen Staatsschauspiel erwerben. Dort nämlich war die Aufführung über Jahrzehnte Kult. Fritz Strassner, später dann Fred Stillkrauth, und Toni Berger wurden zu den wahren Legenden der Bühnenkunst. Zu Identitätsstiftern mit dem Theater. Doch die Dekoration war brüchig geworden, die Mehrheit der Darsteller längst nicht mehr am Haus. In Dieter Dorns Ära stand der "Brandner Kaspar" kein einziges Mal auf dem Programm. Nach einigem Zögern gab der Staatsschauspielchef schließlich die Rechte ab an die städtische Bühne. Der Tod Toni Bergers hätte dem Stück am Resi ohnehin ein Ende gesetzt.<BR><BR>Freie Bahn also für Christian Stückl. Freie Bahn für alle potenziellen Anwärter auf Titelrolle und Boandlkramer. Am 22. Februar will Stückl seine Favoriten bekannt geben. Am 30. März soll Premiere sein. Zurzeit wird in Oberammergauer Klausur noch gegrübelt. Wie wär's mit Josef Bierbichler? Er war schon bei der Uraufführung dabei - als junger Jäger. Oder mit Hans-Michael Rehberg, dem hinreißendsten "Verkauften Großvater" aller Zeiten? <BR><BR>Genial und radikal, so könnte man sich auch Franz Xaver Kroetz als einen der Protagonisten vorstellen. Jörg Hube ließe die Volkstheater-Kassen klingeln. Und Wehmutskömodiant Nikolaus Paryla wäre sowieso kultverdächtig.<BR>Vorstellen ließe sich, jedenfalls als Tod, auch so mancher aus Stückls junger Riege. Maximilian Brückner etwa. Und bei den "Alten" wäre noch zu denken an Gerd Anthoff, Herbert Rhom oder - die Hoffnung stirbt auch hier zuletzt - Tobias Moretti.

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