Am liebsten Volkstheater im Max II

München - Die Krokodilstränen sind groß. Leute, die sich sonst den Teufel scheren um Münchens Boulevardtheater, begannen das große Jammern, als die Komödie am Max II schließen musste. Eine Tatsache, die auch bei den Kulturverantwortlichen der Stadt einen Moment des Innehaltens verursachte. Was noch nicht heißt, dass hier eine Bewusstseinswandlung eingesetzt hätte ­ dergestalt etwa, dass OB, Kulturreferat und Kulturausschuss bekennen würden: Ja, wir wollen alles tun, um die breite Theaterpalette Münchens inklusive der Privattheater zu erhalten.

Noch ist alles möglich. Denn noch gibt es die Komödie im Bayerischen Hof. Noch kommt ihre gewiefte Chefin Margit Bönisch gerade so über die Runden. Bietet sie doch zur Zeit wieder mit "Sister Soul" ein hochrangiges Unterhaltungsprogramm und sorgt ­ neben dem Deutschen Theater ­ in der Ferienzeit als einzige größere Bühne für die theatrale Grundversorgung Münchens. Aber angesichts der Max-II-Pleite ist zu fragen, ob man etwa auch um die Komödie im Bayerischen Hof fürchten muss.

 Grundsätzlich ja, denn Margit Bönisch schrammte schon einmal haarscharf am Abgrund vorbei. Darum will sie nun auch bei der Stadt vorstellig werden. Sie will nicht hinnehmen, dass die Stadt mit einem Plakat wirbt, auf dem Kammerspiele, Volkstheater, Schauburg und Deutsches Theater als die Theater Münchens bezeichnet werden. "Ich empfinde mich auch als ein Münchner Theater. Also müsste es auf dem Plakat richtig heißen, die subventionierten Theater Münchens."

Bönisch setzt all ihre Hoffnung auf Kulturreferent Hans-Georg Küppers. Bönisch: "Die Frage ist, ob nicht die Statuten zur Förderung der freien Theater geändert werden müssen. Denn nach diesen Statuten sind Theater wie das meine nicht förderungswürdig." Aber die progressive und experimentelle Innovation, die einmal Richtschnur für die städtische Grundförderung der Privattheater-Szene war, ist hier schon längst nicht mehr gegeben. Und Bönisch fragt sich, "warum ich als Privattheater, da ich pünktlich meine Rechnungen und meine Steuern bezahle, warum ich als nicht subventioniertes Theater die subventionierten Theater subventionieren soll".

Ihr gehe es nicht darum, städtische Zuschüsse für einzelne Aufführungen zu erhalten. "Mir geht es vielmehr um ein Entgegenkommen der Stadt. Dass zum Beispiel im Notfall die Stadt eine Ausfallbürgschaft übernimmt, was Miete, Strom und andere Fixkosten wie die Bezahlung des Feuerwehrmannes angeht."

Allein dieser Feuerwehrmann, der Abend für Abend auf der Bühne sitzen muss, schlägt pro Monat mit 2500 bis 3000 Euro zu Buche. Die monatliche Stromrechnung liegt bei 2500 Euro. Insgesamt machen die Fixkosten ­ ohne künstlerische Kosten, ohne Produktionskosten ­ im Monat 100 000 Euro aus. Im Jahr besuchen rund 135 000 Zuschauer die Komödie, das bedeutet per anno eine Einnahme von drei Millionen Euro.

"Nein, einen festen Etat habe ich nicht", sagt Bönisch. "Was kommt, muss ich zahlen. Natürlich muss ich kostendeckend arbeiten. Doch wenn einer davon leben müsste, könnte er es nicht. Besser als ich kann niemand kalkulieren." Das glaubt man der resoluten Prinzipalin sofort, denn wie sonst hätte sie über all die Jahre ihre Komödie und darüber hinaus ihr Tourneetheater-Unternehmen so erfolgreich durch alle Klippen und Strudel hindurchmanövriert?

Ihr wäre es zuzutrauen, auch die nun leerstehende Komödie am Max II zu übernehmen. Hätte sie nicht Appetit darauf? Bönisch: "Ich habe mit einer Bühne schon schlaflose Nächte. Aber: Wenn ich Subventionen bekomme, mache ich es sofort." Sie wüsste auch schon, was sie am Max II spielen würde: "Was München fehlt, ist ein richtiges Volkstheater oder, genauer gesagt, ein anderes als das von Christian Stückl. Eines, wo nur Bairisch gesprochen wird. Es gibt in München so viele hervorragende Mundartschauspieler."

Doch hat Bönisch noch einen ganz anderen Schauplatz im Auge, worauf sie große Lust verspürt: "Meine Vision sind Freilichtspiele auf der Burg Grünwald. Das würde mich sehr interessieren." Welche Stücke kämen in Frage? "Alle Mantel- und Degenstücke. Da könnten wir loslegen mit den ,Drei Musketieren, mit Fechtszenen, dass die Leute nur so staunen würden." Und München wäre um eine Attraktion reicher. Sie müsse einfach mal mit dem Freistaat darüber reden.

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