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Daniel Behle nahm die Strauss-Lieder todernst.

Liederabend der anderen Art

Garmisch-Partenkirchen - Es war ein Liederabend der anderen Art: Daniel Behle trat beim Strauss-Festival in Garmisch-Partenkirchen auf.

Auch daraus speist sich der Humor des Meisters. Nicht aus der Lust am Satiredegen wie beim „Till Eulenspiegel“, sondern aus Wut. Auf die Verleger, überhaupt auf all diejenigen, mit denen Richard Strauss seine Kunst finanziell zu teilen hatte. Und dass daraus, eigentlich aus einem Rechtsstreit, der „Krämerspiegel“, sein einziger größerer Liedzyklus erwuchs, das ist vielleicht der größte Witz an der Sache. Gesungen wird das kaum. Ein Repertoire-Randgewächs. Und damit doppelt prädestiniert fürs diesjährige Strauss-Festival in Garmisch-Partenkirchen, das ja dem Humoristen Richard Strauss auf die Schliche kommen möchte.

Tenor Daniel Behle tut das einzig Richtige: Er nimmt die zwölf Lieder todernst. Drückt nicht pointenheischend drauf, überreizt nicht, singt alles mit trockenem, nur scheinbar naivem Ausdruck (auch wenn manchmal Befangenheit mit den fremden Stücken durchklingt). Umso komischer ist das, weil Strauss ohnehin viel Wirkung ans Klavier delegiert. Behles großartiger Partner Oliver Schnyder, dessen Spiel Orchesterfarben ersetzt, nimmt das nur zu gern auf. Da wird klanglich kommentiert – und auch persifliert: „Till“, „Tod und Verklärung“ hört man heraus, sogar Schubert.

Ein Liederabend der anderen Art also, blendend gut gesungen und hochintelligent zusammengestellt. Nach der Pause, mit „Krämerspiegel“ und den sechs Pathos-Liedern aus „Lotosblätter“ gewissermaßen die Pflicht, davor die Kür. Für Strauss bringt Behle eine nahezu ideale Stimme mit. Auf aufreizende Weise agiert er ja zwischen den Fächern. In „Freundliche Vision“ und „Ruhe, meine Seele“ singt der Introvertierte, einer, der Lyrik nicht als Gesäusel, sondern als musterhafte Mezzavoce-Kunst vorführt. Und in „Ich liebe dich“ werden die ersten Heldenwerkzeuge gezeigt. Kleine Stimmtriumphe, die jedoch immer klug kontrolliert sind.

Riskanter, offensiver die „Lotosblätter“-Lieder. Auch hier erliegt Behle nicht dem Pathos, gibt ganz den klang- und textorientierten Dosierungskünstler. Mit „Mein Herz ist stumm“ verdämmert das offizielle Programm. „Allerseelen“, „Zueignung“ und nochmals „Breit’ über mein Haar“ als Zugaben. BR Klassik sendet den Abend am 2. August. Was eigentlich not täte, wäre aber eine „Krämerspiegel“-CD.

Markus Thiel

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