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Lisa Eckhart und „Die Vorteile des Lasters“: entwaffnend gut

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Von: Katja Kraft

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Kabarettistin Lisa Eckhart.
Kabarettistin Lisa Eckhart. © Axel Heimken

Kabarettistin Lisa Eckhart weiß, wie man provoziert. Nun ist sie nach zwei Jahren pandemiebedingter Pause zurück. Und wie! Ihre „ungenierte Sonderausgabe“ ihres Programms „Die Vorteile des Lasters“ begeistert einmal mehr mit hinterfotzigen Spitzfindigkeiten - bestechend gut!

Früher war sie der Erreger. Dann kam dieses depperte Corona-Virus daher und schubste Lisa Eckhart von ihrem Thron. Doch die 29-Jährige ist zurück. Am 1. Mai im Leo17 in München mit einer „ungenierten Sonderausgabe“ ihres bekannten Programms „Die Vorteile des Lasters“; eine hochgefährliche Variante, bei der jeder vom Lachen angesteckt wird.

Lisa Eckhart: mit größter Herablassung und höchster Noblesse

Wie immer läuft die Eckhart nicht auf die Bühne, sie erscheint. Lässt sich auf dem Barhocker nieder, das eine lange nackte Bein über das andere lange nackte Beine geschränkt. Und dann legt sie los, gibt mit größter Herablassung und höchster Noblesse noch die hinterfotzigsten Gemeinheiten von sich, als seien das doch alles Allgemeinplätze. Sebastian Kurz („Wie das mit ihm zu Ende ging – irgendwie unbefriedigend. Als wäre Hitler 1945 im Bad ausgerutscht“), „der Jud’“, Franzosen, Pakistani, Frauen, die mit viel älteren Männern zusammen sind („Es ist wahrscheinlich so ein Hausfrauending: Man will die Reste noch verwerten“) müssen bei ihr dran glauben. Das ist deshalb so bestechend gut, weil Eckhart eben keine Antisemitin, Rassistin, Chauvinistin ist. Sie will uns unsere eigene Liederlichkeit vor Augen führen. Wer am lautesten lacht, lacht am hässlichsten.

Sogar über Ukraine-Präsident Selenskyj macht Lisa Eckhart Witze

Sie traut sich sogar an Selenskyj ran. Ein Dieb sei der. Gespanntes Warten im Publikum. Witze über den Ukraine-Präsidenten machen, darf man das? Eckhart: „Vom Komiker zum Kriegsheld – das sollte mein Weg sein!“ Erleichtertes Lachen im Saal. Ja, man darf. Weil, wie es die Frau auf der Bühne formuliert, in jeder Tragik auch immer etwas Komik liegt. Covid-19 etwa. Wer hätte gedacht, dass dieses Dauerthema unterhält? Ist doch jeder Leid eigentlich. Nicht, wenn die Eckhart sich darüber auslässt. Treue im Lockdown („Behaupten Sie nicht, Sie seien treu, nur weil Sie kein anderer will!“), neues Schamgefühl („Heute springen Exhibitionisten aus dem Gebüsch und reißen sich die Maske vom Gesicht“) und als Zuckerl am Ende eine Abrechnung mit jedem Impfgegner: „Putin mag den roten Atomknopf haben. Aber wir haben Millionen Ungeimpfte! Die schicken wir nach Russland. Sie verbreiten nicht nur Viren, sondern auch Fake News – die perfekte Mischung aus Bot und Biowaffe!“ Entwaffnend gut.

Weitere Auftritte von Lisa Eckhart am 7. Mai 2022 im Florian-Stadl, Kloster Andechs; am 18. Juni 2022 im Alten Speicher, Ebersberg; am 31. August 2022 im Stadtsaal Fürstenfeldbruck. Karten und Infos gibt es hier

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