Listige Gedankensprünge

- Berühmt wurde Virginia Woolf (1882-1941) durch ihre "Bewusstseinsstrom"-Romane ("Mrs. Dalloway", "Orlando"), sie war aber auch eine glänzende Essayistin. Hille Darjes, bis 1992 Mitglied der Bremer Shakespeare Company, fand "A room of one's own" - ursprünglich Universitäts-Vorlesung über "Frauen und Literatur", also an Publikum gerichtet - besten Schauspielstoff. Als höchst charmant dozierende Virginia Woolf ist sie bis Samstag im Münchner Teamtheater zu erleben.

<P>Darjes hat selbst übersetzt und bearbeitet, den Abend (Regie: Hans Helge Ott) schon 400 Mal quer durch Deutschland gespielt. Und so - passend Pagenkopf und brit-altmodisches Sommerkostüm - ist es ganz ihre "Guest-Lecture". Bis in die Satzphrasierung, bis in all die kleinen sprechbegleitenden Gesten hinein. Damit modelliert sie, Nickerchen verhindernd!, Woolfs (scheinbar) lockeres Dahinplaudern, die in weiblich nebensächlichen Beobachtungen verpackte hintersinnige Gesellschaftskritik, Woolfs rhetorisch listige Gedankensprünge und ihre weit in die Geschichte zurückblickende Recherche.</P><P>Lange keine Frauenliteratur, nirgends. Aphra Behn (1640-1689) ist die Erste, die vom Schreiben leben kann. Noch die berühmte Jane Austen (1745-1817) schrieb heimlich. Schadet nicht, sich mal bewusst zu machen, dass Frauen jahrhundertelang, als Besitzstand des Ehemanns, ohne Rechte, ohne eigenes Geld nicht einmal die winzigste Chance zum Schreiben hatten: "Hätte Shakespeare eine begabte Schwester gehabt, hätte sie in London ihr Theaterglück versucht, wäre sie, geschwängert vom Intendanten, im Teen-Alter gestorben" - total wahrscheinlich.</P><P>Woolfs Forderung von 1928 als Voraussetzung für Literatur von Frauen: 500 Pfund im Jahr und "Ein Zimmer für sich allein" - so ähnlich gilt das ja auch heute noch.</P><P>Infos unter Telefon 089/ 260 43 33.<BR></P>

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