Das listige Zwinkern des charismatischen Stars

- "New Hollywood, das war Mittelalter!" Jack Nicholson lacht, heiser zunächst, sich steigernd zu dieser einmaligen, intensiven und ein klein bisschen wahnsinnigen Lache, die man aus so vielen Filmen kennt. Dann, auch das hat man schon öfters im Kino gesehen, bricht das Lachen abrupt ab. Für kurze Zeit weiß man nicht, ob Nicholson jetzt gerade besonders dumm oder besonders klug guckt, schließlich beseitigt das listige Zwinkern in den Augen alle Zweifel. Den Weltstar Jack Nicholson im Gespräch zu erleben, ist schon etwas sehr Besonderes. Nicht allein, weil man sich immer wieder einmal bei dem Gedanken ertappt, ob er da jetzt wirklich vor einem sitzt oder man doch nur im Kino eingeschlafen ist und gerade einen besonders schönen Traum träumt.

<P>Es sitzt einem da auch einfach ein besonders wacher Mensch gegenüber, ein genauer Beobachter, der auf jede Regung seines Gesprächspartners reagiert, konzentriert und bemüht um Substanz antwortet und dabei jederzeit vor allem dafür sorgt, dass jedenfalls einer seinen Spaß hat: er selbst. "Heute war ein guter Tag", erzählt der 66-Jährige, "ich habe einen Mittagsschlaf gemacht, und dann einen Wein getrunken". Und grinst. Will sagen: Nehmt alles nicht so wichtig. Will auch zeigen, dass hier einer weiß, dass er eine Art Ehrengast der diesjährigen Berlinale ist, obwohl Festivalchef Dieter Kosslick aus Spargründen diesmal die zweite Retrospektive stillschweigend  gestrichen  hat.</P><P>Heimlicher Cineast</P><P>Aber neben seinem neuen Film "Something's gotta give", einer sehr charmanten, altersweisen Komödie aus dem Alltag eines Viagra-Users, laufen allein sieben Nicholson-Filme in der Retrospektive, die New Hollywood gewidmet ist - jener Epoche, von der er anfangs so kokett als Mittelalter spricht. "Wir waren verrückt damals", meint er, "wir wollten europäische Filme machen. In Amerika!" Und lacht wieder, als spürte er, wie absurd dieses Ansinnen heute anmutet.</P><P>Wer das miterlebt, spürt auch mehr als einen Hauch von Sehnsucht nach einer Zeit, in der mit Nicholson das ganze Kino plötzlich so jung wie nie war. "Ich fühle mich um keinen Tag gealtert." Und man bekommt eine Ahnung davon, warum Nicholson, vor allem der der 60er-, 70er- und frühen 80er-Jahre, in denen er irgendwann für ein paar Jahre der gefragteste US-Darsteller der Welt war, für die Kinogeschichte so wichtig ist. Denn er war nicht nur ein glänzender Schauspieler, der vielen Klassikern der Kinogeschichte, von "Easy Rider" über Polanskis "Chinatown" bis hin zu Antonionis Meisterwerk "Beruf: Reporter", seinen Stempel aufdrückte, er war auch ein charismatischer Anreger.</P><P>Seinem Charme und seiner Intelligenz, nicht zuletzt seinem guten Geschmack ist es zu verdanken, dass viele dieser Filme überhaupt entstanden. So kommt man im Laufe der mit allerlei Anekdoten - für deren Wiedergabe man eine ganze Zeitungsseite bräuchte - ausgeschmückten Unterhaltung auch zu einem offenen Geheimnis: Dass in diesem Darsteller nämlich ein heimlicher Filmemacher steckt. Gern wäre er Regisseur geworden, hat neben dem Basketball-Film "Drive he said", der auch auf der Berlinale läuft, noch drei weitere, kommerziell erfolglose Regiearbeiten hinter sich und mehrere Drehbücher geschrieben. "Die Filme der 70er sind diejenigen, die bleiben", sagt er, erinnert an "Shining", den er mit Stanley Kubrick drehte, und berichtet davon, dass er vor einigen Jahren die Rechte von "Beruf: Reporter" gekauft hätte, "damit der überhaupt noch in einer guten Version ins Kino kommt". Solche Filme werden leider zurzeit nicht gemacht. Das Mittelalter, jedenfalls aus Sicht Nicholsons, war die beste Zeit.</P>

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