Dortmund besiegt "Fluch von Berlin" - Triumph für Tuchel

Dortmund besiegt "Fluch von Berlin" - Triumph für Tuchel
Millionenschwere Wunder-Hände: Lang Lang spielt am 17. Juli auf dem Münchner Odeonsplatz das erste Klavierkonzert von Franz Liszt. foto: marcus schlaf

„Liszt ist für mich ein Gott“

München - Der chinesische Star-Pianist Lang Lang spricht im Interview mit dem Münchner Merkur über Freiluft-Konzerte, schnelle Karrieren und die Zeit der Reife.

Bei Lang Langs vergangenem Besuch bei „Klassik am Odeonsplatz“ im Jahre 2007 schien der Himmel dem tobenden Applaus mit Donner und Blitz Konkurrenz machen zu wollen. Zur Versöhnung wäre es also angebracht, wenn sich der Wettergott heuer milder zeigen würde. Denn neben Janine Jansen, die am 16. Juli mit Daniel Harding und dem BR-Symphonieorchester zu erleben ist, wird einen Tag später auch der chinesische Klavierstar wieder unter den Arkaden der Feldherrnhalle in Erscheinung treten - diesmal begleitet von den Münchner Philharmonikern.

-Haben Sie trotz des Unwetters auch gute Erinnerungen an den Odeonsplatz?

Auf jeden Fall. Es hat ja damals erst während meiner Zugabe zu regnen begonnen. Und der Platz hat eine unglaubliche Atmosphäre. Als Musiker spielt und übt man ja immer drinnen. Egal ob Sommer oder Winter. Da ist es ganz schön, auch mal rauszukommen. Und mit Mariss Jansons und seinem Orchester zu spielen, das ist immer ein Erlebnis.

-Diesmal werden Sie aber mit Christoph Eschenbach und den Philharmonikern spielen.

Ja, und darauf freue ich mich mindestens genau so. Denn Maestro Eschenbach ist fast wie ein zweiter Vater für mich. Schließlich hat er mich seinerzeit entdeckt und mir zum Durchbruch verholfen. Auch wenn mir das schon unglaublich lange her zu sein scheint. Zwölf Jahre sind das mittlerweile.

-Nach Ihren Auftritten bei den Olympischen Spielen und zur Fußball-EM scheinen Sie heute der Spezialist für Freiluft-Konzerte zu sein. Stört Sie dieses Etikett?

Natürlich kennen mich die meisten Leute vor allem deshalb. Allein schon, weil man bei solchen Großereignissen ein viel breiteres Publikum erreicht. Aber so viele dieser Events wie früher mache ich inzwischen gar nicht mehr. Diesen Sommer sind es gerade mal zwei Open Airs in München und Ravinia. Es ist sozusagen ein entspannteres Jahr.

-Ihr Kalender scheint aber dennoch gut gefüllt. Haben Sie manchmal Angst, dass Ihre Karriere zu schnell und zu steil verläuft?

Nein, weil bei mir trotzdem alles Schritt für Schritt gekommen ist. Auch wenn diese Schritte manchmal sehr schnell waren. Doch ich habe mich dabei nie zu etwas gedrängt gefühlt. Es war einfach das, was ich immer machen wollte.

-Aber brauchen viele Werke nicht auch Zeit, um im Interpreten zu reifen?

Sicher. Aber dadurch, dass ich sehr früh begonnen habe, begleiten mich diese Werke ja auch schon sehr lange. Und gerade wenn du jung bist, helfen dir anspruchsvolle Stücke auch dabei, deine Technik zu verbessern und zu festigen. Darüber muss ich mir heute mit 28 nicht mehr ganz so viele Gedanken machen. Jetzt geht es eher darum, was ich mit der Musik ausdrücken möchte.

-Und was wäre das zum Beispiel beim ersten Liszt-Konzert, das jetzt für München ansteht?

Man hört oft, Liszt wäre hier nur auf den Effekt aus, aber meiner Meinung nach steckt viel mehr Tiefe in seiner Musik. Liszt ist für mich ein Gott. Er hat die Form des Klavierrecitals, wie wir sie heute kennen, quasi definiert. Und zum Glück hat er nach seiner Pianistenlaufbahn auch noch lange unterrichtet. Durch seine Schüler und deren Schüler lebt so vieles von ihm bis heute weiter.

-Arbeiten Sie zur Kontrolle noch mit einem Lehrer?

Nicht mehr so viel wie früher. Aber vor einer neuen Solo-Tournee spiele ich das Programm oft gerne noch einmal für Leute durch, mit denen ich eine musikalische Verbundenheit spüre. Wie zum Beispiel meine beiden Mentoren Eschenbach und Barenboim oder mein Lehrer Gary Graffman. Ich habe zum Glück viele Menschen hinter mir stehen, denen ich vertraue. Das gibt mir Halt.

Das Gespräch führte Tobias Hell.

Klassik am Odeonsplatz

am 16. Juli mit dem BR-Symphonieorchester, Janine Jansen und Daniel Harding; am 17. Juli mit den Münchner Philharmonikern, Lang Lang und Christoph Eschenbach; Karten unter Telefon 0180/ 54 81 81 81.

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