Literarische Nationalmannschaft

- Mit 150 Autoren wird sich Russland als diesjähriges Gastland auf der Frankfurter Buchmesse (8. bis 13. Oktober) vorstellen. Im Rahmen der Moskauer Bücherschau stellte Russlands Vize-Presseminister Wladimir Grigorjew das Konzept für den 4,5 Millionen Euro teuren Auftritt in Deutschland mit dem Titel "Russland - neue Seiten" vor. "Wir wollen, dass unsere Autoren zur Kenntnis genommen werden", sagte Grigorjew zur Reise nach Frankfurt. Die moderne russische Literatur stehe nicht hinter der amerikanischen oder lateinamerikanischen zurück.

<P>Aktfotografien aus der Stalin-Zeit</P><P>Das Gedränge auf der Moskauer Buchmesse zeigte, dass sich die russische Buchbranche vom Zusammenbruch der Sowjetunion erholt hat. Die Zahl der Aussteller wuchs heuer auf 2965. "Bei der Zahl der Titel haben wir das sowjetische Niveau bereits im letzten Jahr überholt", so Alexej Schefow, Sprecher des Verlages EKSMO. Die Auflagen seien aber noch viel kleiner. "Der Markt ist enger geworden."<BR><BR>Allein 100 Schriftsteller werden auf Kosten des Staates nach Frankfurt reisen. Um die Plätze in dieser "literarischen Nationalmannschaft Russlands", wie Grigorjew die Abgesandten nannte, gab es in den vergangenen Monaten ein heftiges Tauziehen. Die im Westen verehrten, zu Hause aber nicht immer wohl gelittenen Postmodernisten Wladimir Sorokin ("Ljod") und Viktor Pelewin ("Buddhas kleiner Finger") wurden schließlich eingeladen. Aus der älteren Generation reisen Valentin Rasputin ("Abschied von Matjora"), Andrej Bitow ("Das Puschkin-Haus) und Anatoli Pristawkin ("Ich flehe um Hinrichtung") an. Die populären neuen Krimi-Damen Alexandra Marinina, Polina Daschkowa und Daria Donzowa sind auch mit von der Partie.<BR><BR>Darüber hinaus werden sich 200 russische Verlagshäuser in Frankfurt vorstellen und weitere 20 Autoren einladen. EKSMO erwarte vor allem weitere Geschäfte mit den Krimiautorinnen. 30 russische Schriftsteller kommen aus anderen Ländern, zum Beispiel der in Berlin lebende Wladimir Kaminer, der auch in Frankfurt seine "Russendisko" veranstalten soll. 120 Veranstaltungen sind geplant, darunter ein Galakonzert in der Alten Oper und eine Ausstellung, die Aktfotografien aus der Stalin-Zeit zeigt.<BR><BR>"Wir freuen uns auf Russland und auf unsere russischen Freunde", sagte der Geschäftsführer der Frankfurter Buchmesse, Volker Neumann. Die russische Präsentation beweise mit ihrer Vielfalt, wie wichtig die Institution des Gastlandes für die Buchmesse sei.<BR></P>

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