Literatur und ihr Markt-Erfolg

- Immer größer wird die Flut der Bücher, die jährlich auf den Markt gespült werden. Und immer geringer werden die Chancen einzelner Titel, im Wettbewerb der Medien wahrgenommen zu werden. Markennamen machen das Angebot - welcher Produkte auch immer - übersichtlicher. Und vor allem versprechen sie dem Hersteller, dass bisherige wirtschaftliche Erfolge noch größere nach sich ziehen. Dem Konsumenten aber, dass er mit einer gewissen Qualität rechnen darf.

<P>Eine Marke für Bücher kreiert</P><P>Und so ist es nicht verwunderlich, dass in Zeiten schwindender Leseaktivitäten der Bayerische Landesverband des Börsenverbands des Deutschen Buchhandels eine Art Marke für Bücher kreierte, die sowohl Popularität als auch literarische Qualität auszeichnet: den undotierten Internationalen Buchpreis "Corine", benannt nach der lesenden Commedia dell'arte-Figur aus der Nymphenburger Porzellanmanufaktur. <BR><BR>Im dritten Vergabe-Jahr können die Veranstalter (Börsenverein, Bayerischer Rundfunk, Staatskanzlei) und Hauptsponsoren (Heyne Verlag, HypoVereinsbank, Verlagsgruppe Weltbild) bereits sprunghafte Anstiege beim Absatz bisher ausgezeichneter Bücher verbuchen. <BR><BR>Dies beflügelt auch die Bayerische Staatskanzlei, deren Leiter Erwin Huber versicherte: "Bayern ist ein Kulturstaat. Die Verantwortung dafür hängt nicht von der aktuellen Kassenlage ab." So vergibt Ministerpräsident Edmund Stoiber als Schirmherr bei der Gala am 5. November (Ausstrahlung am 8. November im BR und am 9. November in 3 sat) an die südafrikanische Nobelpreisträgerin Nadine Gordimer ("Burgers Tochter", Der Mann von der Straße") den Ehrenpreis für ihr Lebenswerk. Die Krimiautorin Donna Leon ("Die dunkle Stunde der Serenissima") erhält den Belletristik-Preis. <BR><BR>Und mit einem weiteren großen Namen wird die Gala prunken, die zugunsten der Buch-Vermarktung auch fernsehtauglich sein will: Ken Follet ("Die Leopardin") wurde von der Verlagsgruppe Weltbild als Lieblingsautor deutscher Leser ermittelt. </P><P>Für ein wenig Exotik soll wohl Nina Hagen sorgen, die mit Marcel Feige den Preis für illustriertes Sachbuch erhält ("That's Why The Lady Is A Punk"). In den Kategorien Sach-, Jugend-, und Wirtschaftsbuch bekommen Inge und Walter Jens ("Frau Thomas Mann - Das Leben der Katharina Pringsheim"), Cornelia Funke ("Herr der Diebe") und Hans-Olaf Henkel ("Die Ethik des Erfolgs") das Porzellanfigürchen. <BR><BR>Die einzig wirkliche Überraschung kann bei den "Corine"-Kriterien nur ein Debüt sein: Jonathan Safran Foer ("Alles ist erleuchtet") hat nach Meinung des Auswahl-Gremiums das Potenzial, ein wirtschaftlicher Erfolg zu werden. <BR></P>

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