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Literaturnobelpreis für Bob Dylan: Mutig und richtig

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Stockholm/München - Bob Dylans Literaturnobelpreis ist eine Sensation. Dabei ist sie nur folgerichtig, sagt unser Autor Johannes Löhr. Ein Kommentar.

Es ist eine Sensation: Zum ersten Mal in der Geschichte des Literaturnobelpreises hat mit Bob Dylan ein Musiker, ein Popsänger gar, die höchste Auszeichnung für Dichter erhalten. Gegen etablierte Hochkaräter im Autorenbetrieb wie Salman Rushdie. Nicht wenige Experten werden bei dieser Nachricht die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen haben. Doch auch Freunden der Popmusik mag die Neubewertung von Dylans Werk allzu akademisch wirken. Beide haben Unrecht. Stellt die Auszeichnung doch überkommene Zuschreibungen wie „Hoch-“ und „Unterhaltungskultur“ endgültig infrage.

Bob Dylan hat nicht nur die Popularmusik auf ein vollkommen neues Niveau gehoben. Er steht in einer Tradition singender Dichter, die bis in die Antike reicht. Dass viele seiner Texte literarische Werke sind, deren Meisterschaft sich erst im Zusammenspiel mit der Musik offenbart, ist deswegen kein Nachteil. Die Darbietung ist entscheidender Teil des künstlerischen Erlebnisses.

Die Entscheidung der Akademie in Stockholm ist deswegen zwar mutig, aber sie ist richtig – und sie ermutigt manchen Kritiker vielleicht, sich mit Bob Dylan auseinanderzusetzen. Manch anderer Autor hat die Auszeichnung sicher genauso verdient – aber es ist nicht unwahrscheinlich, dass viele von Dylans Mitbewerbern sich für ihn freuen. Weil sie Fans sind.

Rubriklistenbild: © Klaus Haag

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