Kommentar

Literaturnobelpreis für Bob Dylan: Mutig und richtig

  • schließen

Stockholm/München - Bob Dylans Literaturnobelpreis ist eine Sensation. Dabei ist sie nur folgerichtig, sagt unser Autor Johannes Löhr. Ein Kommentar.

Es ist eine Sensation: Zum ersten Mal in der Geschichte des Literaturnobelpreises hat mit Bob Dylan ein Musiker, ein Popsänger gar, die höchste Auszeichnung für Dichter erhalten. Gegen etablierte Hochkaräter im Autorenbetrieb wie Salman Rushdie. Nicht wenige Experten werden bei dieser Nachricht die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen haben. Doch auch Freunden der Popmusik mag die Neubewertung von Dylans Werk allzu akademisch wirken. Beide haben Unrecht. Stellt die Auszeichnung doch überkommene Zuschreibungen wie „Hoch-“ und „Unterhaltungskultur“ endgültig infrage.

Bob Dylan hat nicht nur die Popularmusik auf ein vollkommen neues Niveau gehoben. Er steht in einer Tradition singender Dichter, die bis in die Antike reicht. Dass viele seiner Texte literarische Werke sind, deren Meisterschaft sich erst im Zusammenspiel mit der Musik offenbart, ist deswegen kein Nachteil. Die Darbietung ist entscheidender Teil des künstlerischen Erlebnisses.

Die Entscheidung der Akademie in Stockholm ist deswegen zwar mutig, aber sie ist richtig – und sie ermutigt manchen Kritiker vielleicht, sich mit Bob Dylan auseinanderzusetzen. Manch anderer Autor hat die Auszeichnung sicher genauso verdient – aber es ist nicht unwahrscheinlich, dass viele von Dylans Mitbewerbern sich für ihn freuen. Weil sie Fans sind.

Rubriklistenbild: © Klaus Haag

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

David Guetta in der Olympiahalle: Unter mega macht er's nicht
David Guetta war am Donnerstag in der Olympiahalle zu Gast und begeisterte einmal mehr sein Publikum. Auch unsere Redakteurin war mit dabei - und fand es einfach nur …
David Guetta in der Olympiahalle: Unter mega macht er's nicht
Der Herr der Klänge
Trauer um Christian Burchard, Herz der Band Embryo und einer der wenigen echten Weltstars aus München, der mit 71 Jahren gestorben ist.
Der Herr der Klänge
Fire and Fury - ein amerikanisches Sittengemälde
Wird sich Michael Wolffs Bilanz des ersten Jahres der Donald-Trump-Regentschaft auch in Deutschland gut verkaufen? Und ob. Die englischprachige Originalversion ist …
Fire and Fury - ein amerikanisches Sittengemälde
„Kulturzeit will helfen, die Welt zu mögen“
Zuschauer des BR-Fernsehens kennen Vivian Perkovic von den Sendungen „Jetzt mal ehrlich“, „Puls“ und „on3-Südwild“. Seit einem Jahr ist die 39-Jährige, die etwa auch …
„Kulturzeit will helfen, die Welt zu mögen“

Kommentare