Literaturstadt ohne Literaturblatt

- Wer sich in München für Bücher und ihre Autoren interessierte und regelmäßig Lesungen besuchte, der hatte es und benötigte es für seinen Terminkalender: das monatliche Literaturblatt; ein Service des Münchner Kulturreferats, um eigene Literaturtermine und Veranstaltungen etwa von Buchhandlungen anzukündigen. Der großformatige Prospekt, der in einer Auflage von 25 000 Exemplaren erschien, lag an vielen Orten der Stadt auf und erinnerte immer wieder sanft an das reiche literarische Leben der zweitgrößten Verlagsstadt der Welt.

Die Doppelausgabe für Dezember/Januar soll nun die letzte sein, so wurde es den beiden freien Mitarbeitern, dem Redakteur Franz J. Herrmann und dem Grafiker Wolfgang Perez, in dieser Woche mitgeteilt. Grund dafür sind natürlich Einsparungen. "Es handelt sich um etwa 50 000 Euro pro Jahr, nicht eingerechnet die internen Personalkosten, die etwa durch die Endredaktion noch anfallen", sagt Stefanie Reichelt vom Kulturreferat. Finanziert wurde das Blatt aus dem Etat des Referats und zu einem geringen Teil durch Anzeigen und das Abonnement. "Wir wollen einen Ausgleich über das Internetangebot der Stadt schaffen", sagt Reichelt.

Amtsleiter Wolfgang Lippstreu, der am Freitag in Vertretung von Kulturreferentin Lydia Hartl zu erreichen war, konnte noch nichts Offizielles verlautbaren. Ebenso wie das Literaturblatt stünden in diesen Zeiten der Konsolidierung aber auch weitere städtische "Blättchen" auf dem Prüfstand: das Wissenschaftsblatt, das Veranstaltungsprogramm für Senioren und jenes für Interkulturelle Arbeit. Auch Lippstreu setzt auf mehr Eigeninitiative von Anbietern, Veranstaltern und "Verbrauchern" per Internet.

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