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Live-Sex im Theater: Kunst oder Porno?

Live-Sex im Theater: Kunst oder Porno?

Hamburg - Beim „Live Art Festival“ bringt ein Theaterstück Live-Sex auf die Bühne der Hamburger Kulturfabrik Kampnagel. Die einen reagieren schockiert, die anderen gelangweilt, und die Deutsche Bahn weigert sich, Poster aufzuhängen.

Ein Mann und eine Frau betreten die Bühne, ziehen sich nackt aus und begegnen einander mit einem langen Kuss. In den nächsten 40 Minuten wird kein Wort gewechselt, es gibt keine Musik, sondern “die Choreographie einer Paarung“, wie die Ankündigung des Theaterstücks “Libido Sciendi“ des französischen Regisseurs Pascal Rambert verspricht. Übersetzt heißt das: fast eine dreiviertel Stunde sind zwei Körper miteinander verschlungen und dicht ineinander verknotet - in verschiedensten Stellungen. Inwiefern der Liebesakt tatsächlich vollzogen wird, bleibt unklar. “Es kann sein, dass die beiden Sex haben“, sagt Kampnagel-Intendantin Amelie Deuflhard. Genau wisse man das nicht. “Wir befinden uns in der Welt des Theaters, des Spiels.“

Die Grenzen zwischen Realität und Fiktion sind Thema des “Live Art Festivals“, das vom 1. bis 11. Juni auf Kampnagel gastiert. Dort wird auch der Kunst-Porno-Film “Community Action Center“ in der Reihe “Girlmonster“ gezeigt, der im Anschluss in der Londoner Tate Modern präsentiert wird. Mit einem Plakat zum Film will Kampnagel für das Festival werben - darauf zu sehen ist ein nackter Mann, gefesselt mit Klebeband und beschmiert mit brauner Masse. Die Bahn weigerte sich, das Poster an Bahnhöfen aufzuhängen. “Wir haben Bedenken“, sagte ein Sprecher der Deutschen Bahn. “Eine solche Werbung ist für unseren Konzern nicht imagefördernd.“

“Libido Sciendi“, 2008 in Frankreich uraufgeführt, wird am 9. Juni gezeigt und “nicht für Jugendliche unter 16 Jahren empfohlen.“ Im Internet stößt die freizügige Inszenierung auf Kritik: “wenn auf kampnagel so etwas von der stadt hamburg subventioniert wird, dann kommt auch bald das eros-center und hält die hand auf nach steuergeldern“, kommentiert ein Leser einen entsprechenden Artikel der Hamburger Morgenpost.

Die Aufführung sei nicht mit Sex-Shows auf der Reeperbahn zu vergleichen, sagt Deuflhard. “Die Absicht und die Darstellung ist eine völlig andere. Es handelt sich um eine sehr ästhetische Inszenierung.“ Es sei ein sehr feines Stück, in dem es um Begehren gehe. Auch wenn es am Anfang für den Zuschauer vielleicht ungewöhnlich sei, aus nächster Nähe mit solch einer Intimität und damit auch mit der eigenen Sexualität konfrontiert zu werden.

dpa

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