News-Ticker zum Barcelona-Terror: Zahl der Todesopfer auf 15 gestiegen

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Liza Minnelli erntete für ihren Auftritt Standing Ovations. (Archivbild)

Standing Ovations

Liza Minnelli begeistert in München

Es ist nur eine kleine Bewegung, kaum sichtbar, die viel über Liza Minnelli und ihren Anspruch an sich verrät. Nach der letzten Zugabe, als das Publikum sie frenetisch beklatscht, ballt Minnelli ihre linke Hand zu einer Faust.

Sehr verhalten. Es ist keine triumphale Geste für die Fans, sondern nur ein Zeichen der Bestätigung für sich selbst. Sie hat es wieder geschafft und alles andere als begeisterte Standing Ovations wären für eine wie Minnelli eine Niederlage. Eine Art Tennismatch hat sie einmal ein Konzert genannt, man spielt sich die Bälle zu und hat Spaß dabei – aber als Gewinnerin muss sie vom Platz gehen. Bei Weltstars ihres Kalibers wird gerne im Tierzüchter-Jargon von „Vollblut“-Entertainerin gesprochen und das ist in diesem Fall nicht einmal verkehrt. Minnelli ist mit Leib und Seele die Person, die sie gerade darstellt. Eine Kunstfigur natürlich, aber eine, die niemand anders sein kann als Liza Minnelli. Die uramerikanische Tugend hochprofessionelle Show mit aufrichtiger Emotionalität aufzuladen verkörpert Minelli mustergültig. Ihre schillernde Biographie, die Herkunft aus einem Showbusiness-Haushalt, ist keine Bürde mehr. Es ist unterhaltsamer Teil der Aufführung und Minnelli gelingt es so etwas wie intime Verbundenheit mit dem Publikum herzustellen, weil sie scheinbar offen über ihre Schwächen spricht.

Dabei thematisiert sie nur – gekonnt lakonisch – was ohnehin jeder im Saal weiß. Wenn sie etwa in ihrer Paradenummer „Cabaret“ nach der Zeile „Das kommt von zu vielen Pillen und Schnaps“ effektvoll eine kurze Pause einlegt und dann nach einem Schulterzucken grinsend weiter singt, ist das grandios, weil es nur sie machen kann. Diese Art von Selbstironie darf sich nur eine Überlebende leisten. Eine, die private Abstürze, Alkoholprobleme und den ewigen Kampf gegen den Mythos der eigenen Herkunft überstanden hat. Da steht sie also, die 63-jährige Legende und bewegt sich immer noch überraschend agil auf der Bühne, auch wenn sie natürlich nicht mehr so wirbelt, wie sie es einst konnte. Aber das erwartet auch niemand und Minnelli hat die Lacher auf ihrer Seite, wenn sie schon nach ein paar Liedern auf einem Stuhl Platz nimmt und erst einmal tief Luft holt. Beim Programm verlässt sie sich auf Standards und singt sie mit einer immer noch kraftvollen, mitunter verlebten Stimme, in der sich ein wenig Dreck angesammelt hat, der allerdings perfekt zu den Liedern und Minnelli passt.

Und wenn sie will, gibt sie mühelos die Heulboje, die alles um sich in Grund und Boden singt. Minnellis Stimme ist noch hörenswert, anders als die Akustik in der Münchner Philharmonie (mit einigen leeren Plätzen) ein hinterhältiger Terrorakt gegen jeden Künstler ist, der sich in sie verläuft. Dennoch: makellose Unterhaltung von einer großen Könnerin. Man darf sich auf das nächste große Comeback freuen.

Zoran Gojic

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