Lizenz zum Donnern

- So vollbesetzt war der Herkulessaal, dass man fast meinte, ganz München habe nur auf sie gewartet und wolle sie jetzt in Empfang nehmen: Hélène Grimaud. Die französische Pianistin ist, was ihr voller Terminkalender beweist, gut im Geschäft, tritt mit bedeutenden Orchestern auf und hat eine umfangreiche Diskographie vorzuweisen.

Auf ihrer Repertoireliste ganz oben rangieren die Romantiker, und auch das Münchner Konzert stand ganz unter romantischen Vorzeichen. Hé´lè`ne Grimaud hatte es der Kammermusik von Johannes Brahms und Robert Schumann gewidmet. Ihre Partner: der Klarinettist (und Komponist) Jörg Widmann, der Oboist Albrecht Mayer und am Cello Jan Vogler.

Hatte man zu Beginn des ersten Satzes von Brahms' Klarinettensonate op. 120 noch das Gefühl, dass Widmann und Grimaud ein wenig nebeneinander her spielten, waren sie doch schon gegen Mitte des Satzes musikalisch vereint. Schön vor allem das von einem gemeinsamen Atem getragene Aus- und Wiedereinfädeln der Linien und das dezente Hervorheben der thematischen Bezüge zwischen den Sätzen.

Allerdings zeigte Grimaud schon während dieses eingangs gespielten Stücks eine etwas übertriebene Fortissimofreudigkeit, und auch später grollte es aus der Bassregion bisweilen ohrenbetäubend herauf. Das könnte natürlich an Brahms' wuchtigem Klaviersatz gelegen haben, in dem Grimaud auch in den beiden, äußerst rasch hintereinander gespielten, Rhapsodien op. 79 die Lizenz zum Losdonnern gesehen haben mag. Desgleichen in der Cellosonate op. 38, in der Jan Vogler oftmals Mühe hatte, nicht samt seines wundervollen Instruments im Klavierhagel unterzugehen.

Wesentlich feinfühliger agierte Hé´lè`ne Grimaud als Begleiterin in Schumanns Romanzen op. 94, die Albrecht Mayer mit märchenerzählerischem Ton auf seiner Oboe blies, und in den Fantasiestücke op. 73 für Klarinette und Klavier. Die Pianistin gestaltete die beiden innigen, sujetverwandten Zyklen mit ruhigen, elfengleich arpeggierenden Händen, nur manchmal ein wenig forciert.

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