Locken mit der Legende

Garmisch-Partenkirchen - Vorschusslorbeeren seien das, „die ich nur mit Vorsicht genieße“. Brigitte Fassbaender, Sängerinnen-Legende und Chefin des Tiroler Landestheaters in Innsbruck, wehrt Komplimente mit der ihr eigenen Mischung aus unwirscher Geste und Liebenswürdigkeit ab. Alles Künstler-Koketterie?

Ihr erstes Programm als künstlerische Leiterin des Richard-Strauss-Festivals lässt jedenfalls sechs hochkarätige Festspieltage erwarten.

Für drei Jahre hat Garmisch-Partenkirchen Brigitte Fassbaender verpflichtet. Mindestens. Und der prominente Name hat schon erste Lock-Wirkung entfaltet, das wurde bei der Programm-Vorstellung deutlich. Aus dem Kollegenkreis kommen zwischen dem 20. und 25. Juni 2009 Annette Dasch und Angelika Kirchschlager zu Liederabenden oder wie im Falle Angela Denoke zum Künstlergespräch, Rufus Beck rezitiert das Strauss-Melodram „Enoch Arden“, und Ioan Holender, Direktor der Wiener Staatsoper, hält die Eröffnungsansprache.

Sein Renommierhaus bestreitet auch den zentralen Termin des Strauss-Festivals 2009: Die Wiener kommen zur konzertanten Aufführung der Oper „Capriccio“, Peter Schneider dirigiert. Zweite Großveranstaltung ist das Konzert des Deutschen Symphonieorchesters Berlin unter Ingo Metzmacher, Deborah Voigt singt den Liebestod aus Wagners „Tristan“ und Strauss’ „Vier letzten Lieder“.

Alle Veranstaltungen sind im großen oder kleinen Saal des Kongresshauses. Was bedeutet: Das Eisstadion wird zumindest 2009 nicht einbezogen. „Schön finde ich das sowieso nicht“, meint Brigitte Fassbaender. „Und wenn ich’s umgehen kann, tu’ ich das.“ Außerdem sei es ihr lieber, „wenn das Kongresshaus knallvoll ist, als wenn im Stadion nur 300 Leute sitzen“.

1989 wurde das Strauss-Festival erstmals durchgeführt. Chef war damals August Everding, später folgten Manfred Frei, dann Bernd Gellermann. Von Brigitte Fassbaender versprechen sich Kommunalpolitiker und Strauss-Institut eine neue Schubwirkung. Trotz finanzieller Engpässe und bevorstehender Ski-Weltmeisterschaft im Jahre 2011 wurde das Budget nicht gekürzt. Rund 500 000 Euro gibt die Kommune jährlich für die Festspiele aus. Für eine Veranstaltungsreihe also, die im Stile Bayreuths, nur eben zwei Nummern kleiner, mit dem großen Sohn der Gemeinde werben will. Dass dies nicht immer einfach ist, weiß die Chefin selbst. Garmisch-Partenkirchen ist zwar ein Touristenmagnet, doch zum Festival fahren meist nur Musikfans vorwiegend aus dem Münchner Raum. Vor allem an einer Publikumsverjüngung müsse gearbeitet werden, so die Leiterin. Erste Maßnahme: ein Jugendprojekt im Garmischer Kurpark. Das Abaco-Orchester der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität arbeitet hier zusammen mit Gymnasien und Musikschulen aus dem Landkreis Garmisch-Partenkirchen. Im Unterschied zu den vergangenen Jahren wird wieder ein Meisterkurs angeboten. 2009 bestreitet den Brigitte Fassbaender selbst, für die Folgejahre sind ebenso renommierte Kollegen geplant. Immer wieder hat es hier Nachfragen aus dem Publikum gegeben – der Einblick in die Sängerwerkstatt interessiert offenbar mehr als manches Konzert.

Sich selbst bezeichnet Brigitte Fassbaender übrigens „absolut nicht als Strauss-Expertin“ – auch wenn „seine Musik in meinem künstlerischen Leben für so viele Höhepunkte gesorgt hat. Da ist sie wieder, diese Tiefstapelei: Wer selbst als Jahrhundert-Oktavian gilt, tief ins Liedschaffen eingetaucht ist und sogar selbst eine vielbeachtete „Salome“ inszeniert hat, der erscheint fast als logische Wahl für den Garmisch-Partenkirchener Posten.

von Markus Thiel

Kartenvorverkauf

Der Kartenvorverkauf beginnt am 1. Dezember (Tel. 08821/ 730 19 95, Informationen: www.richard-strauss-festival.de).

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