So locker wie möglich

- Seit nunmehr 15 Jahren gibt es die Hot Jazz Night in der Münchner Philharmonie bereits, sie ist eine richtige Institution für populären Jazz geworden, der eigentlich so gar nicht in diese konzertante Umgebung passen will. Und während der Name fast ein wenig nach Tanztee mit Kurkapelle klingt, gibt man sich im Gasteig alle Mühe, die Veranstaltung so locker wie möglich aufzuziehen - wer will, kann bis in die Puppen in den Foyers verweilen und den Bands lauschen, die sich dort installiert haben.

Zuvor jedoch geben sich im Saal illustere Vertreter verschiedenster Stile die Mikros in die Hand. Auch hier herrscht kein Biedersinn: Der honorige Veteran Chris Barber macht mit seinem Dixie-Swing zwar die unmodernste Musik, die man sich vorstellen kann, aber als man ihn als "Mythos" ansagt, wehrt sich der Posaunist: Mythos? "I'm real", ruft er und gibt eigene Evergreens oder Stücke von Duke Ellington zum Besten - mit einer Lässigkeit, die man wohl nur erreicht, wenn man ein gutes halbes Jahrhundert Bühnenerfahrung auf dem Buckel hat.

Den größten Paukenschlag gibt es jedoch ganz zu Beginn. Der jugendliche Martin Grubinger entfacht auf allerlei Perkussioninstrumenten einen Wirbel, dass einem Hören und Sehen vergeht. Zusammen mit seinem Vater, Martin Grubinger sen., steigert er die Polyrhythmen auf Marimba, Conga oder einfacher Ministranten-Schelle schließlich in einen regelrecht psychedelischen Strudel. Eine hypnotische Qualität, die Joja Wendt in seiner eigenen Darbietung als Boogie-Woogie-Pianist trotz technischer Finessen und charmantem Witz nicht erreichen kann.

Quadro Nuevo aus Rosenheim wiederum sind eine Bank. Mit "Tu vuò fà l'Americano" beginnt das Quartett eine Reise, auf der ganz selbstverständlich ein kubanischer Walzer neben einem italienischen Schlager der 30er-Jahre steht. Diese zerknautschten musikalischen Weltbürger lassen dabei wie achtlos eine Virtuosität aufblitzen, an der man sich schwer satt hören kann.

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