Alexander der Große: Mythos aus Fleisch und Blut

Rosenheim - Die Archäologische Staatssammlung zeigt ab März in Rosenheim eine opulente Schau zum Leben Alexander des Großen.

„Kind, suche Dir ein passendes Königreich, Makedonien ist zu klein für Dich.“ Vater Philipp II. soll das zu seinem Sohn Alexander gesagt haben – zu jenem Burschen, der später fast die ganze bekannte Welt erobert hat. Deswegen nennen die Archäologische Staatssammlung München und die Ausstellungszentrum Lokschuppen Rosenheim (Veranstaltungs + Kongress GmbH) ihre umfassende und populär angelegte Archäologische Landesausstellung „Alexander der Große – Herrscher der Welt“ (2,3 Millionen Euro). Sie wird vom 22. März bis zum 3. November die Menschen nach Rosenheim ziehen. Denn Alexander liebte nicht nur die Mythen, eiferte ihnen nicht nur heftig nach – den Helden von Troja ganz besonders –, sondern er war selbst schon zu Lebzeiten zum Mythos geworden.

Das Kuratorenteam unter Staatssammlungs-Chef Rupert Gebhard geht folglich aufs Ganze. Es wird nicht wie sonst üblich ein Alexander-Aspekt herausgepickt – im Lokschuppen wird es vielmehr eine visualisierte und inszenierte Biografie des Makedonen, der bis Indien vorstieß, geben: mit Leihgaben vom Louvre bis zum British Museum, mit den neuesten wissenschaftlichen Ergebnissen, mit digitalen Tricks, die zum Beispiel das berühmte Mosaik mit der Schlacht gegen den Perserkönig Dareius III. detailgenau erklären, mit Sinneseindrücken wie dem zermürbenden Monsunregen am Indus, der den Welt-Feldzug schließlich beendete.

Ellen Rehm ist dabei als Expertin für den Vorderen Orient für die persische Sicht zuständig, Harald Schulze von der Staatssammlung als Klassischer Archäologe für die griechische. Beide können auf viele Zeugnisse über Alexander den Großen, der übrigens eher klein von Wuchs war, zurückgreifen. Die babylonischen Tontäfelchen sind dabei sozusagen tagesaktuell und so nachrichtlich präzise wie Zeitungen heute. Die griechischen Geschichten folgen 300 Jahre später, sind wohl blumiger, wobei Schulze verteidigend auf die authentischen Kriegstagebücher verweist. Die Tatsachen von Alexanders Feldzug sind ohnehin so erstaunlich, als stammten sie aus einem Fabelreich: Mit 40 000 Mann machte sich der junge König auf einen Landweg von 23 480 Kilometern Länge. Er eroberte Ägypten, wo er sich zum Pharao ausrufen ließ, Babylonien, Persien, wo er den Thron bestieg, er begegnete all diesen Kulturen, nahm sie intensiv auf bis hin zu Sogdien und Indien. Die Länder und ihre Zivilisationen werden in der Schau mit rund 450 Exponaten genauso aufscheinen wie Waffen und militärische Taktiken, die uns zum Beispiel in einem Feldlager-Zelt begegnen werden. Was Alexander an kulturellen Explosionen etwa in Babylon erlebt haben muss, beschreibt Gebhard so: „Seine Reise ist vergleichbar mit einem, der von Rothenburg ob der Tauber nach New York gelangt.“

Vielleicht ist Alexanders größte Leistung nicht die militärische, sondern seine geistige, menschliche Kraft, all die fremden Haltungen und Lebensweisen mit der griechischen verbinden zu wollen. Das versuchte er mit Hochzeiten bis hin zu Massen-Heiraten. Der viele Schmuck, den er schenkte, zeugt von seiner Völkerverständigungs-Großzügigkeit.

Wer hätte das gedacht von dem makedonischen Prinzen, der am 20. Juli 356 v. Chr. im unscheinbaren Pella geboren wurde. Als er am 20. Juni 323 in Babylon starb, hatte Alexander es geschafft: Als leibhaftiger Mensch hatte er es mythischen Helden wie Herakles gleichgetan.

Simone Dattenberger

Informationen:

22. März bis 3. November, Lokschuppen Rosenheim, Rathausstraße 24; Katalog: 24,90 Euro.

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