Der Kunde hat das Wort: Die zweite Abonnentenkonferenz der Philharmoniker gestern Nachmittag in der Münchner Philharmonie.

Lorin Maazel und die Münchner Philharmoniker: „Ich liebe diesen Saal“

München - Zwar wird er erst ab der übernächsten Spielzeit Chefdirigent der Münchner Philharmoniker, schon die kommende trägt aber die Handschrift von Lorin Maazel. Gestern stellte der Achtzigjährige die Saison vor - und sich nachmittags in der Philharmonie den Abonnenten.

Ginge es nach ihm, wäre das Gasteig-Problem gelöst: „Es gibt keine schlechte Akustik, sondern nur schlechte Dirigenten, die damit nicht zurechtkommen“, sagte Lorin Maazel auf der Bühne der Philharmonie. „Ich liebe diesen Saal.“ Aber ob er sich damit viele Freunde unter den Kunden macht? Die brauchten gestern eine kleine Anlaufzeit, um Mut zu schöpfen. Doch dann wurde die zweite Abonnentenkonferenz der Philharmoniker, die von Malte Arkona (philharmonisches Jugendprogramm, „Tigerenten-Club“ der ARD) moderiert wurde, zum Ventil: Wenig Lob, viele Vorschläge und ebenso viel Kritik gab es in den Wortmeldungen, die von Intendant Paul Müller, vor allem vom gut gelaunten Kommunikator Lorin Maazel pariert wurden.

Gut gelaunter Fast-Chef: Lorin Maazel (re.) mit Philharmoniker-Intendant Paul Müller.

Was sich die Redner aus dem Publikum unter anderem wünschten: mehr Programme des zwanzigsten Jahrhunderts (schütterer Beifall), öffentliche Proben und mehr Promis wie Daniel Barenboim oder Anne-Sophie Mutter (längerer Applaus), kostenlose Programmhefte (Ablehnung von Müller) oder konzertante Oper mit Maazel (heftige Akklamation). Für Letzteres, so der baldige Chefdirigent, brauche es eigentlich nur zwei Wodkas, dann dürfe ihm Müller gern Dementsprechendes vorschlagen. Und die Arbeitsproben könnten, so ließen Maazel und Orchestervorstand Stephan Haack durchblicken, tatsächlich bald öffentlich werden.
Mit wohligem Raunen und Zwischenapplaus wurde von den Abonnenten Müllers Ankündigungen zur nächsten Saison quittiert. Vier Programme mit dem künftigen Chef Maazel sind im Angebot, darüber hinaus wird Ehrendirigent Zubin Mehta häufiger als sonst ans Pult gebeten. „Programmatische Öffnung“ heißt das Zauberwort, mit dem die Philharmoniker locken - und dabei offenbar das Image als ewig deutschromantische Experten abstreifen wollen. Einige Maßnahmen werden dazu ergriffen: Ton Koopman wird zum Barocktraining geholt, Valery Gergiev leitet einen kleinen Schostakowitsch-Zyklus, in die Konzerte mischen sich zudem einige wenige Uraufführungen. Außerdem wird die Jugendarbeit erweitert: Unter dem Motto „Spielfeld Klassik“ werden Kindergarten- und Schulkonzerte organisiert - und als Höhepunkt die Uraufführung des Musicals „Ristorante Allegro“.

In den „normalen“ Konzerten sollen Namen wie Ivor Bolton (Philharmoniker-Debüt), Alan Gilbert (Maazels Nachfolger in New York), Teodor Currentzis oder Altmeister Georges Prêtre für eine große interpretatorische Variationsbreite garantieren. Die meisten Programme speisen sich indes aus dem üblichen Beethoven-Brahms-Bruckner-Mahler-Mix, den Symphonieorchester einfach bieten müssen: Ein merklich großer Kontrast nach der Ära Christian Thielemann ist also (noch) gar nicht feststellbar.

Das Orchester ist unterdessen bemüht, die Querelen mit seinem Noch-Chef vergessen zu lassen. In der Saisonbroschüre werden die sieben Thielemann-Jahre als „künstlerisch so produktive und starke Zeit“ gewürdigt, die man „voll Stolz mit in die Zukunft“ nehme. Und auch Maazel lobte die Arbeit des Kollegen. „Ich hoffe, dass ich das, was er geschaffen hat, nicht zerstören werde.“ In den jüngsten Konzerten mit den Philharmonikern hat Maazel eine Klang-Eleganz registriert, „die sehr aufregend war“. Er sei fast davon überrascht, wie das Niveau des Ensembles noch einmal gestiegen sei.

Neben einer Preiserhöhung um drei Prozent gibt es in der neuen Saison auch eine neue Staffelung im Einzelkartenverkauf: Für besonders aufwändige Konzerte wird etwas mehr verlangt. Das „Chef-Abo“, eigentlich für Christian Thielemann geschaffen, bleibt erhalten. Es nennt sich nun „Drei Orchesterchefs in München“ und vereint Konzerte mit Lorin Maazel, Zubin Mehta und Kent Nagano. Und immerhin eine Leistung, so schlug eine beherzte Abonnentin gestern vor, könne ja auch das Publikum erbringen: weniger Husten und endlich Stille vor dem Werk und zwischen den Sätzen.

Nähere Informationen

unter www.mphil.de.

von Markus Thiel

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