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Lorin Maazel wird der neue Chefdirigent der Münchner Philharmoniker.

Lorin Maazel wird Nachfolger von Christian Thielemann bei Münchner Philharmonikern

München - Der teuerste ist für München gerade gut genug. Das haben sich die Stadtväter wohl gedacht, als sie gestern einstimmig der Berufung Lorin Maazels als neuem Chef der Münchner Philharmoniker ab der Saison 2012/2013 zustimmten.

Nachdem der Stadtrat Generalmusikdirektor Christian Thielemann im Juli 2009 mit nur einer Gegenstimme aus dem Amt gekickt hatte, sah es zunächst finster aus. Infrage kommende, attraktive, jüngere Dirigenten sind meist auf Jahre hinaus gebunden und manch einer wird sich nach dem Thielemann-Debakel auch überlegt haben, ob München seine Traum-Stadt und die Philharmoniker sein Wunsch-Orchester sind.

Lorin Maazel, den 80jährigen Pult-Tausendsassa, scheren solche Gedanken nicht. Er kennt München und die Philharmoniker seit Jahrzehnten und hat in seinem letzten Jahr als Chef des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks (1993 -2004) die Höchstgage von mehr als 2,4 Millionen Euro kassiert. Er hat also München in bester Erinnerung…

Wie viel sich die Stadt Maazel, den Retter in der Not, nun kosten lässt, war nicht zu erfahren. Immerhin scheint soviel klar: Der Etat der Münchner Philharmoniker soll nicht aufgestockt werden. Gleichzeitig sollen die Zahl der Orchesterstellen beibehalten und die Gagen der Gastdirigenten und Solisten nicht gekappt werden. Dann muss wohl anderswo (Verwaltung?) der Rotstift angesetzt werden.

Oberbürgermeister Christian Ude jedenfalls jubelt: „Ich bin sicher, er (Maazel) wird die Philharmoniker zu Höchstleistungen motivieren…“ und Kulturreferent Hans-Georg Küppers schwärmt, dass das Orchester mit Maazels „Strahlkraft der wesentliche Botschafter der Musikmetropole München“ bleiben wird.

Eigentlich ist Lorin Maazel „nur“ zweite Wahl. Denn auf Platz eins der Wunschkandidaten stand der 74jährige Zubin Mehta. Doch der Ehrendirigent der Phiharmoniker ist so beschäftigt, dass er ablehnte. Sowohl die Anfrage an Mehta wie die Berufung Maazels zeigen deutlich, dass Stadt und Orchester eine international leuchtende Dirigenten-Persönlichkeit suchten, die das Münchner Publikum bei der Stange halten und verzaubern und als Autorität das Orchester führen kann. Die herrenlosen Jahre nach Sergiu Celibidaches Tod und auch die geringe Präsenz James Lewins während seiner Chefzeit bekamen dem Orchester schlecht. Erst unter Thielemanns entschiedener Leitung gewannen die Münchner Philharmoniker wieder scharfes Profil. Dafür bestand er darauf, gewisse Werke ausschließlich selbst zu dirigieren. Ein „Recht“, das letztendlich zum Bruch führte.

Ob Maazel Ansprüche dieser Art erhebt oder ob er sich in der Frage, welcher Gastdirigent was dirigiert, dem „Letztentscheidungsrecht“ des Intendanten Paul Müller beugt, darüber war nur soviel zu erfahren: „Es gibt klare Absprachen und eine alle zufriedenstellende Lösung.“ Soweit Kulturreferent Küppers.

Maazel wird nicht den Titel Generalmusikdirektor, sondern Chefdirigent tragen und um die 30 Konzerte (Thielemann wollte nur 25) pro Saison dirigieren. Auf jeden Fall scheint Maazel, der mit der Schauspielerin Dietlinde Turban, einer gebürtigen Münchnerin, verheiratet ist, glücklich: „Ich erachte die Chefdirigenten-Position der Münchner Philharmoniker als eines der repräsentativsten Ämter heute in der Welt der klassischen Musik. Die Qualität des Orchesters ist unübertrefflich. Seine bemerkenswerte Geschichte der Zusammenarbeit mit den herausragendsten Interpreten wie Maestro Celibidache steht für eine Herausforderung, der ich mich mit Freude stellen werde.“

Kein Wunder, dass der Orchestervorstand in diese Melodie einstimmt: „Die Wahl des weltweit geschätzten Dirigenten bedeutet für das Orchester, sich auch in Zukunft national und international auf allerhöchstem Niveau präsentieren zu können.“

Damit es auch ab dem Jahr 2015 so weitergehen kann, will Maazel sich – laut Küppers - schon jetzt seiner „Brückenfunktion“ stellen: „Er will mithelfen, jüngere Dirigentinnen und Dirigenten nach München zu holen, damit das Orchester eine gute Zukunft hat.“

Die wünscht auch Christian Thielemann dem Orchester, der aus Japan mitteilte: „Ich freue mich, dass die Philharmoniker sich freuen. Es macht mir das verbleibende Jahr schön. Das Orchester hat eine Perspektive dadurch und ich sowieso.“

Gabriele Luster

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