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Vicco von Bülow als Loriot

Loriot: Wir gratulieren zum 85. Geburtstag

Der Humorist, Cartoonist und Schauspieler Vicco von Bülow, besser bekannt als Loriot, feiert seinen 85. Geburtstag.

Loriot hat eigenem Bekunden zufolge keine Ideen, wenn er an die Arbeit geht. "Ideen braucht man nur, wenn man nichts erlebt." Vicco von Bülow hat ein Leben lang genug erlebt und nur genau beobachtet - die große Geste und das kleine Missgeschick, die kleinen und die großen Missverständnisse und die Sprachlosigkeit, den hohen Anspruch und die raue Wirklichkeit mit den Tücken des Alltags, die Menschen an den Rand des Nervenzusammenbruchs führen.

Das kann mit den kleinsten Anlässen beginnen - beim schiefen Bild im Wartezimmer, das man doch nur zurechtrücken wollte und dabei ein Trümmerfeld hinterlässt oder bei den Kosakenzipfeln im Restaurant, die als Zankapfel eine langjährige Freundschaft zweier Ehepaare in die Katastrophe führen. Und überhaupt: "Männer und Frauen passen eigentlich nicht zusammen." In dem Sketch "Darum lebe ich allein" nimmt Loriot das Zusammenleben von Mann und Frau aufs Korn. In "Männer sind, und Frauen auch, überleg dir das mal" versucht er seinen Sohn aufzuklären. Auf der Internetseite Loriot.de finden sich Postkarten zum Versenden per E-Mail, Souvenirs und ein Lebenslauf.

Dabei besitzt Loriot immer noch genügend Selbstironie, auch nicht gerade eine typisch deutsche oder gar preußische Eigenschaft. Das bewies er schon anlässlich früherer runder Geburtstage, wenn er sich den dazugehörigen Sketch gleich selber schrieb - natürlich mit seiner unvergesslichen langjährigen und inzwischen gestorbenen Fernsehpartnerin Evelyn Hamann oder mit Erwin Lindemann alias Heinz Meier, ein brillanter Schauspieler, der oft im Schatten des "großen Meisters" steht. Hamann stellt im Fernsehstudio die alles entscheidende Frage an den Jubilar: "Wer ist Loriot? Viele Masken, viele Gesichter. Bisher kannten wir ihn nur als den Herrn, der etwas steif auf dem Sofa sitzt, gelegentlich freundlich lächelnd und im Ganzen etwas kühl wirkend." FAZ.net bietet ein Loriot-Lexikon an. Focus beschreibt die Loriot-Ausstellung in Berlin.

Nach seinem "Dienst am Humor der Bundesrepublik" hat sich Loriot längst zurückgezogen, blickt sinnierend auf den Starnberger See oder spaziert um den Berliner Savignyplatz, wo man den alten Herrn mit Emil, seinem achten Mops ("Ein Leben ohne Möpse ist möglich, aber sinnlos"), auf der Parkbank sitzen sehen kann. Auf die "Zeit"-Frage, ob er das Gefühl verspüre, "dass man gehen soll, wenn es am schönsten ist", antwortet Vicco von Bülow in preußisch knapper Manier: "Ja."

dpa

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