Lothringer 13: Kokai und die Kampenwand

München - 500 Jahre lang war das zentrale Thema in Kolumbien das Gold. Jetzt wird der Wert des Landes in Kokain aufgewogen. Die Drogenbarone liefern sich seitdem eine, wenn man das so sagen kann, ethische Diskussion mit den Indios. Für die Ureinwohner des Landes ist Kokai eine heilige Pflanze, deren Anbau und Konsum sie sich nicht verbieten und verderben lassen wollen.

Für die Drogenmafia ist es Kommerz über Leichen hinweg. Und für Kolumbien und die USA ist der Anbau ein Problem, das man mit Verboten zu beseitigen versuchte.

Ein Film über die Gegensätze des Pestizid- und Chemikalien-verseuchten Massenanbaus und die "traditionelle" Verwendung ist ein Aspekt, den der Filmemacher und Künstler Cyrill Lachauer samt vier Kollegen in seinem Forschungsprojekt über Fernweh und Utopien, Reisen und Ankommen, Soziales und Persönliches aufgreift. In der Lothringer 13, Münchens Kunsthalle, spannen Videos und Fotografien in der Schau "Research and Destroy" eine eigenwillige Klammer um ein nicht greifbares Unterfangen.

Lachauer, der die Münchner Hochschule für Film absolvierte, studierte Ethnologie, ging dann an die Kunstakademie und wohnt jetzt in Berlin. Seine Interessen fließen in jenen Feldforschungen zusammen, die als soziale, artifizielle und philosophische Unterhaltung gleichermaßen verstanden werden können. So wurde eine Nordindienreise 2007 zu einer Flüchtlingsstudie, zur Sozialfotografie der tibetischen HipHopper, aber auch zur Auseinandersetzung mit buddhistischer Tradition.

Die persönlichste Äußerung ist Lachauers Arbeit "i killed the butterflies" (3sat-Filmförderpreis). Er möchte zwar keine großen Begriffe wie kollektive und persönliche Schuld in den Mund nehmen, dennoch geht es genau darum. Die Schmetterlingstrophäen seiner Kindheit heftete er sich an den nackten Oberkörper, um sie auf der Kampenwand wieder fliegen zu lassen: Die Vergehen der Welt können die Utopien nicht zerstören. Zwischen globaler Aufarbeitung und Zukunftsvision tritt jeder seine persönliche, mehr oder weniger reale Reise an.

Bis 22. Juni,

Tel. 089/ 44 86 961.

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