Louisiana feiert Per Kirkeby zum 70. Geburtstag

Humlebæk/Kopenhagen - Dänemarks berühmtester lebender Maler Per Kirkeby empfindet die Werkschau zu seinem 70. Geburtstag im Louisiana-Museum vor den Toren Kopenhagens auch als belastend.

"Da ist man jetzt in einem Alter, in dem Bilanz gezogen wird. Und Louisiana fragt ja mit der Ausstellung auch irgendwie, ob noch was kommt", sagte Kirkeby der Zeitung "Politiken". Der Däne, der die entscheidenden Jahre für seinen Durchbruch als einer der führenden europäischen Maler in Frankfurt/Main und Karlsruhe gearbeitet hat, blieb denn auch der Präsentation der Ausstellung an seinem runden Geburtstag, dem 1. September, überraschend fern.

"Das hier nimmt ihn zu sehr mit. Aber keine Sorge, Per malt unglaublich produktiv", sagte Louisiana-Direktor Poul Erik Tøjner. Der Museumschef hat eine umfassende Sammlung mit Kirkeby-Arbeiten seit Anfang der 60er Jahre bis zu "noch feuchten Bildern" aus dem diesjährigen Sommeratelier auf der Kattegat-Insel Læsø zusammengestellt. Die oft monumental großen Arbeiten des still wirkenden Dänen, meist mit landschaftlich, mitunter aber auch biblisch motivierten, abstrakten Motiven, überwältigen schnell durch ihre farbliche und kompositorische Schönheit. Kirkeby wolle und erreiche aber durch bewusste intellektuelle Arbeit als Maler mehr, meint Tøjner: "Seine Bilder haben die unvergleichliche Fähigkeit, uns gefühlsmäßig visuell-suggestiv zu ergreifen und außerdem durch sich wiederholende Muster Erfahrungen festzuhalten, die allen gemeinsam sind."

Die Kirkeby-Ausstellung, die bis zum 25. Januar 2009 geöffnet ist, wird auch als das Jubiläums-Geschenk von Louisiana an sich selbst "verkauft". Das Museum in Humlebæk, fantastisch gelegen am Öresund und architektonisch selbst ein Kunstwerk, öffnete im August 1958 - und hat mit mehreren Kirkeby-Ausstellungen nicht unwesentlich zum Ruhm des Dänen beigetragen. Wer die halbstündige Fahrt von Kopenhagen hierher mit der Bahn absolviert, begegnet Kirkeby schon am kleinen Bahnhof von Humlebæk: Dort steht seit vielen Jahren neben Gleis 1 ein scheinbar funktionsloses Backsteingebäude mit leeren Fenstern und ohne Dach.

Solche "Backsteinskulpturen" gelten als eine Art Markenzeichen des Dänen. Er liebe die stoffliche Beschaffenheit von Ziegelsteinen, sagt der promovierte Geologe. Nach einer schweren und langen Depression infolge einer Hirnblutung geht es dem früheren organisierten Linken mit kommunistischem Parteibuch und Schüler sowie Weggefährten deutscher Künstler wie Joseph Beuys und Jörg Immendorff wieder gut. Kirkeby malt auch nach eigener Aussage "viel und gut", lebt abwechselnd auf Læsø und im Kopenhagener Nobel-Stadtteil Hellerup und gab zu seinem 70. Geburtstag fleißig Interviews.

Bei der Louisiana-Ausstellung fehlen Backsteinskulpturen, während andere bildhauerische Arbeiten des Multi-Künstlers zu sehen sind. In seiner dänischen Muttersprache hat er zum runden Geburtstag auch gleich noch ein Buch mit Reflexionen in Prosa- und Gedichtform herausgegeben. Es sei doch eigentlich bizarr, meinte der Kritiker von "Politiken", dass man Kirkeby nach seinem 80. Buch unter eigenem Namen immer noch in erster Linie als Maler wahrnehme.

www.louisiana.dk

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